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Hintergrund 39

Schadensbilder

Der Hintergrund 39 bietet eine kurzweilige Nachlese zu einem Symposium zur Sanierung der Vorkriegsmoderne. Im Zuge dessen konnte die Villa Beer von Josef Frank in Wien Hietzing besucht werden, eine einmalige Gelegenheit, die viel Begeisterung hervorgerufen hat.

7,00 

Beschreibung

Selten erlebt man eine Riege hochkarätiger Architektur- und Denkmalschutzexpert*innen in kollektiver Euphorie. Am 13.04.2008 wurde diese Ehre der seit einiger Zeit im Dornröschenschlaf befindlichen Villa Beer von Josef Frank in Wien Hietzing zuteil. Eine Reihe internationaler Fachleute hatte im Rahmen eines vom Architekturzentrum Wien gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt veranstalteten Symposiums zur Sanierung der Vorkriegsmoderne die seltene Gelegenheit, dem Hauptwerk Josef Franks einen Besuch abzustatten. Löst bereits der Außenbau bei Architekturkenner*innen Begeisterung aus, so erst recht das Raumkonzept und das großzügige „Innenleben“ des Hauses. Denn was hier im Originalzustand erhalten blieb (Wandverbauten, bewegliches Mobiliar, Lampen, Armaturen – ja sogar Heizungen und Kamine) kann auch versierte Expert*innen, die tagtäglich den Umgang mit Denkmälern der Moderne pflegen, noch überraschen. Doch scheint dieses in seiner Vollständigkeit einzigartige Zeugnis einer gleichermaßen eleganten wie undogmatischen Wiener Moderne – für eine kulturelle Nutzung geradezu prädestiniert – in Privatbesitz zu bleiben, womit der Zutritt zu einem der faszinierendsten Beispiele österreichischer Wohnkultur einer interessierten Öffentlichkeit auch weiterhin verwehrt bleibt.

Nicht verwehrt bleibt geneigten Leser*innen jedoch eine kompakte Zusammenstellung der wichtigsten Vorträge des genannten Symposiums, das wenige Tage später, am 16.04.2008, in einer von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) organisierten Veranstaltung zur Sanierung der Nachkriegsmoderne seine logische thematische Fortsetzung fand. Dabei wurde deutlich, wie sehr schon kleine, unbedacht gesetzte Maßnahmen wie Fensteraustausch, Dämmung und Bemalung die Stimmigkeit eines Bauwerks empfindlich verletzen können. Während Bruno Reichlin in seinen grundsätzlichen Überlegungen zur Erhaltung des architektonischen Erbes für eine Denkmalpflege als zutiefst schöpferische Disziplin plädiert, erläutert Berthold Burckhardt anhand ausgewählter Beispiele der Wüstenrot-Stiftung, welche Probleme bei Sanierungen von Bauten der Moderne im konkreten Einzelfall auftreten können. Bruno Maldoner entführt uns in die Farbenwelt von Adolf Loos und erinnert daran, dass die sogenannte „weiße Moderne“ so weiß gar nicht war. Ergänzt wird unser Themenschwerpunkt Schadensbilder durch ein Interview mit Adolf Krischanitz, der seine Erfahrung im Umgang mit sanierungsbedürftiger Bausubstanz auch in die Adaptierung und Erweiterung des 20er Hauses (heute: Belvedere 21) von Karl Schwanzer einbringen kann. Kursorische Betrachtungen zum Thema Patina in der zeitgenössischen Architektur deuten schließlich an, dass man sich mit den Spuren von Vergänglichkeit nicht nur zwangsläufig herumschlagen muss, sondern dass diese – Stichwort Wunschpatina – auch künstlich herbeigeführt werden können.

Der aufstrebenden Architekturszene in den Ländern Südosteuropas widmet das Az W eine neue Veranstaltungsreihe mit dem Titel „BALKAN production“, im Zuge deren engagierte, etablierte sowie aufstrebende Architekturbüros konkreten Einblick in die Architekturszene des Balkans geben. Zur facettenreichen Auftaktveranstaltung, die am 23.01.2008 im Az W mit Rok Oman (Ofis Arhitekti, Slowenien), Helena Paver Njiric (Kroatien) und Dorin Stefan (Rumänien) stattfand, bieten wir im Journalteil dieses Heftes eine ausführliche Nachlese. Nachlesenswert sind auch die erfrischenden Betrachtungen unserer sonntags-Gäste, die sich anlässlich der Jubiläumsfeier der 200. sonntags-Exkursion am 12.03.2008 zu pointierten Impuls-Statements hinreißen ließen.