Architekturzentrum Wien  
 

 
 
Forschungsergebnisse

Primäre Forschungsergebnisse
Durch die intensiven und weit reichenden Recherchearbeiten war es möglich, wichtige Forschungslücken zu schließen sowie grundlegende Daten für vertiefende Analysen bzw. weiterführende Forschungen verfügbar zu machen.

Insgesamt rund ein Drittel der im Lexikon aufgenommenen Architekten wurden erstmals dokumentiert, darunter Architekten, die zu Lebzeiten sehr erfolgreich tätig waren und deren Werke auch heute noch für das Stadtbild Wiens von Bedeutung sind (z.B. Ludwig A. Fuchsik, der rund 30 Wohn- und Geschäftshäuser in Wien errichtete oder Alois Koch, der Erbauer der Universität für Bodenkultur).

Erstmals sind Architekten, die in zeitgenössischen Lexika bzw. Nachschlagewerken, aber auch in neueren Lexika mit äußerst mangelhaften Informationen dokumentiert sind, mit vollständigen Daten erfasst. (z.B. Arthur Baron 15.5.1874-30.8.1944. Angabe im Allgem. Künstlerlexikon: „tätig um 1903-1913“. Adolf Ambor, 28.3.1891-15.5.1912. Angabe im Allgem. Künstlerlexikon: „tätig A.20.Jhd. in Wien“.)

Falsche Zuschreibungen konnten ebenso geklärt werden wie diverse Missverständnisse, die etwa durch Namensgleichheiten oder Verwechslungen entstanden sind (z.B. Stadtbaudirektor Franz Berger, geb. 1841 und Landesbaudirektor Franz Berger, geb. 1853 wurden in allen bisher verfügbaren Nachschlagewerken als nur eine Person angegeben).

Falsche bzw. in den diversen Quellen unterschiedlich angegebene Daten konnten berichtigt werden (z.B. Gustav Korompay 4.1.1833-17.2.1907, falsche Geburtsdaten in: H. Fuchs: Die österreichischen Maler des 19. Jhs. (1973); sowie in Allgemeines Künstlerlexikon, Bio-Bibliographischer Index (2000); ThB (1907ff); H. Kosel: Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. (1902); L. Eisenberg: Das geistige Wien. (1891))

Erstmals konnte bei rund 900 Objekten, insbesondere Wohn- und Geschäftbauten sowie Villen, die architektonische Urheberschaft geklärt werden.

In den detailliert erschlossenen Viten sowie in der Darstellung der Arbeitsweise der jeweiligen Architekten sind nicht nur architekturhistorische Zusammenhänge sichtbar gemacht, sondern darüber hinaus auch relevante Fakten hinsichtlich gesellschaftspolitischer, kulturhistorischer sowie städtebaulicher Bezüge zumindest in Grundzügen erstmalig analysiert.

Sekundäre Forschungsergebnisse
Auf Grund der neuartigen Qualität des Architektenlexikons war eine sukzessive Intensivierung des internationalen wissenschaftlichen Austausches und der wissenschaftlichen Kooperation (z.B. Kontakt zu WissenschaftlerInnen in den USA, Frankreich, Deutschland, Schweiz) notwendig. Insbesondere zu WissenschaftlerInnen der ehemaligen „Kronländer“, d.h. der Länder Osteuropas, wurden Kontakte hergestellt und eine teilweise intensive Zusammenarbeit erzielt. Darüber hinaus ergaben sich auch mit Institutionen im Inland, wie etwa dem Bundesdenkmalamt, fruchtbringende Wechselbeziehungen bei der Aufarbeitung spezifischer Fragen.

Die gründliche Aufarbeitung des Materials und die übersichtliche Präsentation der einzelnen Eintragungen haben das Architektenlexikon einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Einerseits wird es von facheinschlägigen Wissenschaftern und StudentInnen in Anspruch genommen, andererseits auch fächerübergreifend von WissenschaftlerInnen und StudentInnen anderer Disziplinen – wie etwa HistorikerInnen und KulturwissenschaftlerInnen - genutzt. Darüber hinaus wird es etwa auch von ArchitektInnen, DenkmalschützerInnen sowie interessierten Privatpersonen verwendet.

Zahlreiche Reaktionen aus dem In- und Ausland zeigen, dass das Lexikon mittlerweile auch international über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügt und äußerst positiv aufgenommen wird.

Nicht zuletzt das große Interesse am Lexikon und die positive internationale Aufnahme halfen neue Quellen, die bislang unbekannt bzw. schwer zugänglich waren, zu erschließen und die Wechselwirkung zwischen Forschung und Praxis damit qualitativ zu nutzen. So langten einerseits neue und hilfreiche Informationen von noch – weltweit verstreuten - lebenden Verwandten ein. Andererseits stellten Personen, die etwa über ein spezielles Werk eines Architekten forschten oder an einem Architekten in fachlich anderen Zusammenhängen interessiert waren, mehrmals wertvolle ergänzende Hinweise zur Verfügung.

Mit dem Erscheinen und der kontinuierlichen Erweiterung des Architektenlexikons konnte das Kompetenzprofil des Architekturzentrum Wien als nationale sowie internationale Anlaufstelle für architekturgeschichtliche und architekturtheoretische Fragestellungen gestärkt und erweitert werden.


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