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Vortrag

Renaissance of the sixties

Renaissance der Architektur Nordamerikas

Fr 26.04.1996, 19:00-21:00

Vortrag von: Diavortrag von Alexander Tzonis und Liane Lefaivre

Was hat Melville’s „Moby Dick“(1850, dt. 1927), und was hat John F. Kennedy ’s Antrittsrede vor dem Kongress 1961 mit der Architektur der 60er Jahre in Nordamerika zu tun ?

Wie grundlegend unterscheidet sich die Architektur der 60er Jahre von dem, was in den vorangegangenen Jahren geplant und gebaut wurde und von dem was nachher folgt ?

Wie sieht das wirkliche Bild der nordamerikanischen Architektur der Gegenwart aus ? Stimmt es, wenn Zeitschriften, Film und Fernsehen, Bilder von effektvollen Fassaden und hochaufstrebenden Türmen entwerfen?

Diese und viele Fragen mehr erörtern Alexander Tzonis und Liane Lefaivre in ihrem Diavortrag und in ihrem eben erschienenen Buch „Architektur in Nordamerika seit 1960“ und räumen mit den gängigen Clichées und Vorstellungen einer Supermacht und Überflussgesellschaft auf, die mit ihren Unzulänglichkeiten und Mängeln in Stadtplanung und Architektur in nichts anderen europäischen Staaten nachstehen.

Pressetext

Der Beginn der 60er Jahre war gekennzeichnet durch das Auftreten einer neuen Generation in der amerikanischen Kultur und Politik – mit J.F. Kennedy als engagiertem Wortführer. Es war die Ära einer amerikanischen Renaissance.

Die Architektur der neuen Dekade verkörpert beispielhaft die Ideale und Resultate dieser Umbrüche. Entscheidende Impulse kamen aus der Erkundung technologischen Neulands und aus dem Streben nach urbanen, sozialen und umweltbezogenen Werten. Bauten wurden nun aus programmatischer Sicht beurteilt, Aspekte der Technologie, der Umwelt und der Gemeinschaft angesprochen. Nordamerika übernimmt eine führende Rolle in der internationalen Architekturdebatte.

Louis Kahn, leidenschaftlicher Kritiker des verflachten Funktionalismus, initiiert die Wende von den technizistischen Utopien zu den elementaren Werten der Baukunst: Licht, Raum, Material. Kahn begründet damit ein neues Verständnis einer spezifisch amerikanischen Architektur.

Einer seiner Schüler, Robert Venturi, setzte in den frühen 60er Jahren wichtige theoretische Grundlagen für die Postmoderne. Less is a bore – in Abwandlung von Mies van der Rohes Doktrin less is more – lautet die provokante These Venturis in seinem Buch Complexity and Contradiction. Er befürwortete den Kontrast, den Konflikt und populäre Symbolwerte in der Architektur.

In der zweiten Hälfte der 60er Jahre weicht „die Hoffnung dem Zorn“. Diese Jahre sind geprägt von Zweifeln an der Autorität und Glaubwürdigkeit des Establishments. Armut, Rassenunruhen und der Vietnamkonflikt spalten das Land: 1968 werden Malcolm X und Robert Kennedy zu Grabe getragen. In der Architektur visualisiert sich der Populismus in den Projekten von Charles Moore und Brown & Venturi.

Im Kontrast dazu erhebt die Gruppe der „New York Five“ die Forderung, zum formalen Architekturkodex der Moderne zurückzukehren. Hejduk, Gwathmey, Graves, Eisenmann und Meier stellen sich entschieden gegen den Populismus. Diese Renaissance der Moderne konzentriert sich vor allem auf stilistische Aspekte mit wenig Bezug zu Fragen der Umwelt, der Technologie oder der Gemeinschaft.

Anfang der 80er Jahre beginnt mit der neuen wirtschaftlichen Konjunktur die dramatische Enturbanisierung der Städte. Die Begriffe Umweltqualität und Gemeinschaft rücken wieder in den Vordergrund und eine neue Tendenz in der Architektur macht sich bemerkbar. Das Konzept des Kritischen Regionalismus bringt eine Rückbesinnung auf die lange Tradition sozialer und umweltbezogener Bestrebungen. Entwürfe wie das Aquarium in der Bucht von Monterey von Esherick, Homsey, Dodge und Davis (1978-84) „fangen eine Welt von Kontinuitäten amerikanischer Vorstellungen ein, gemeinsame Erfahrungen und Erinnerungen an die Einwanderer und das Meer“.

Bestrebungen eine kritische Architektur zu entwickeln sind die Bauten des Dirty Realism. Es ist eine Reaktion auf städtische Zerstörung und beziehungsloses urbanes Vakuum. Frank O. Gehrys Bauten halten ihrer Zeit einen Spiegel vor.

Die international bedeutenden Architekturtheoretiker Alexander Tzonis und Liane Lefaivre zeigen in Ihrem Diavortrag Werkbeispiele einflussreicher ArchitektInnen, denen eine Vorbildfunktion für diese Entwicklung der nordamerikanischen Architektur zukommt und die in dem soeben erschienenen Buch „Architektur in Nordamerika seit 1960“ (Birkhäuser Verlag 1995) vorgestellt werden. Tzonis und Lefaivre diskutieren die Wurzeln so aktueller Strömungen wie Populism, Critical Regionalism und Dirty Realism in den frühen 60er Jahren, ihre Hintergründe in der amerikanischen Tradition und ihre Relevanz im Lichte heutiger Beliebigkeit.

Biographien

Alexander Tzonis
studierte in Yale und lehrte von 1967 bis 1981 in Harvard. Er ist heute Professor für Architekturtheorie an der Technischen Universität in Delft, Leiter einer Forschungsgruppe über systematische Erkenntnisse in der Architektur sowie Herausgeber der Garland Architectural Archives in New York. Zu seinen vielen Publikationen gehören „The Shape of Community“ (mit Serge Chermayeff,1971), „Towards a Non-Oppressive Environment“ (1972), „Classical Architecture“ (mit Liane Lefaivre, 1986), „Architektur in Europa seit 1968“ (mit Liane Lefaivre, deutsch 1992), „Architektur in Nordamerika seit 1960“ (mit Liane Lefaivre und Richard Diamond, 1995) und auch der Roman „Hermes and the Golden Thinking Machine“ (1990)

Liane Lefaivre
studierte an der Mc Gill University und arbeitet heute als freie Autorin über die Architektur der Gegenwart und die Kultur des Humanismus. Zu ihren Publikationen gehört „The Roots of Modern Architecture“, eine Architekturgeschichte von der frühen Renaissance bis zum Zeitalter der Aufklärung (mit Alexander Tzonis, 1984)