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Ausstellung

Lessons from Bernard Rudofsky

Eine Kooperation des Architekturzentrum Wien mit dem Getty Research Institute, Los Angeles und in Zusammenarbeit mit dem Canadian Centre for Architecture, Montreal

Do 08.03.2007 – Mo 28.05.2007
Täglich 10:00-19:00 Uhr, Mittwochs bis 21:00 Uhr
Ausstellungsplakat

Ausstellungsplakat: Lessons from Bernard Rudofsky
Bild: Architekturzentrum Wien, Foto: Bernard Rudofsky, Grafik: LIGA: graphic design

„Architektur ist nicht bloß eine Frage der Technik und Ästhetik, sondern der Rahmen für eine – im besten Fall vernünftige – Lebensweise.“ Bernard Rudofsky

Für den umfassend kulturell interessierten Architekten Bernard Rudofsky (1905 – 1988) war das Reisen der Weg zur Erkenntnis. Mit unermüdlicher Leidenschaft sammelte, reflektierte und dokumentierte er die gewonnenen Eindrücke. Ab den 1940er Jahren widmete sich der Kritiker und Kulturtheoretiker Rudofsky mit Hingabe alltäglichen Themen wie z.B. Kleidung, Schuhe, Essen und Baden. Sein Interesse galt dem menschlichen Körper, der die Fähigkeit zu sinnlicher Wahrnehmung verloren hatte.

Die Ausstellung „Lessons from Bernard Rudofsky“ öffnet neue Sichtweisen auf das Leben Rudofskys als Architekt, Designer, Ausstellungskurator, Autor und Theoretiker. Zeit seines Lebens war Bernard Rudofsky mit seiner Ehefrau Berta auf der Suche nach dem individuellen Lebensgefühl des mündigen Bürgers. Der Mensch sollte seine Umwelt selbst gestalten können. Kein Lebensstil, keine Formen sollten verordnet oder vorgedacht sein. Damit führt uns Rudofsky gleichzeitig vorwärts und zurück, zu einer elementaren Erforschung unserer tatsächlichen Bedürfnisse.

Die kulturellen Wurzeln Rudofskys liegen in den Anfängen der europäischen Moderne: Am Beginn seiner Karriere baute der in Wien geborene Architekt in Italien und Brasilien Häuser in der Formensprache der Moderne. Seine Schriften scheinen jedoch darauf hinzudeuten, dass er die Lehren der Moderne durchaus kritisch betrachtete.

Bernard Rudofsky konzipierte im Laufe seines Lebens etliche Ausstellungen. Die bekannteste und zugleich bedeutendste unter ihnen war die Ausstellung „Architecture without Architects“ (1964), die mit mehr als 80 Stationen 11 Jahre um die Welt tourte. Die Ausstellung im Architekturzentrum Wien ist die erste Schau zur Person Bernard Rudofsky und seinem Werk.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog „Lessons from Bernard Rudofsky“ mit Beiträgen von Andrea Bocco-Guarneri, Monika Platzer, Felicity Scott, Wim de Wit und Maria Welzig. Herausgeber: Architekturzentrum Wien und The Getty Research Institute, Los Angeles. 296 Seiten, ca. 216 Abbildungen, erscheint auf Deutsch und Englisch.

Kuratoren der Ausstellung:
Monika Platzer, Architekturzentrum Wien
Wim de Wit, The Getty Research Institute, Los Angeles

Ausstellungsgestaltung: polar÷. Margot Fürtsch, Siegfried Loos
Grafische Konzeption und Gestaltung Gabriele Lenz

Die Ausstellung wird von 4. Juli 2007 – 30. September 2007 im Canadian Centre for Architecture, Montreal zu sehen sein und von 11. März 2008 – 08. Juni 2008 im Getty Research Institute, Los Angeles.

Subventionsgeber des Az W:
Geschäftsgruppe Stadtentwicklung und Verkehr
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft
Förderer des Az W: ARCHITECTURE LOUNGE

Eindrücke von der Ausstellung „Lessons from Bernard Rudofsky“ in der Alten Halle im Az W.

Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Bild: Pez Hejduk
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Bild: Pez Hejduk
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Bild: Pez Hejduk
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Bild: Pez Hejduk
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Die Ausstellung "Lessons from Bernard Rudofsky"
Bild: Pez Hejduk

Biografie

BERNARD RUDOFSKY (1905–1988)
1905 geboren am 19. April in Zauchtl (Suchdol nad Odrou), Mähren
1906 Übersiedlung nach Wien
1918–22 Besuch der Oberrealschule am Henriettenplatz, Wien 15
1922 Matura und Eintritt in die Technische Hochschule Wien
1923 Besuch der Bauhausausstellung in Weimar
1925 Reise nach Bulgarien und in die Türkei
1926 Reisen in die Schweiz, nach Frankreich und Italien
1927 Reise nach Italien
1928 Abschluss des Studiums für Bauingenieurwesen und Architektur
1928–30 Mitarbeit im Büro Otto Rudolf Salvisberg in Berlin
1929 Reisen nach Bulgarien, in die Türkei und nach Griechenland (zwei Monate auf der Insel Santorin)
1930–32 Mitarbeit im Büro Theiss & Jaksch in Wien
1931 Promotion an der Technischen Hochschule, Dissertation Eine primitive Betonbauweise auf den südlichen Kykladen, nebst dem Versuch einer Datierung derselben (Begutachter: Siegfried Theiss,
Franz Krauss)
1932 Umzug nach Capri, Beginn der Zusammenarbeit mit Luigi Cosenza
1934 lernt seine spätere Frau, Berta Doctor, auf der Insel Ischia kennen
1935 Umzug nach Procida und Beginn der Planung der Casa Procida; Planungsbeginn Casa Oro in Neapel (mit Luigi Cosenza)
1935–36 erste USA-Reise, Heirat mit Berta Doctor am 6. November 1935 in der New York City Hall
1936 Geburt des Sohnes Peter, der 1938 stirbt
1937–38 Umzug nach Mailand, Redakteur bei Domus (122–124,1938)
1938 verlässt Italien nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich in Richtung Südamerika: Buenos Aires,
Rio de Janeiro, ab Dezember: São Paulo
1938–40 Möbel- und Stoffentwürfe für Casa & Jardim, São Paulo
1939–40 Bau der Häuser Hollenstein, Itapetirica, Frontini und Arnstein, São Paulo
1941 reist als einer der lateinamerikanischen Preisträger (für Gartenmöbelentwürfe) der Organic Design Competition auf Einladung des MoMA in die USA; Verlegung des Wohnsitzes nach New York
1942–43 Associate Editor und Art Director der Zeitschrift pencil points
1944 MoMA-Ausstellung Are Clothes Modern? (das gleichnamige Buch erscheint 1947)
1946–49 Editor und Director (ab 1947) der Zeitschrift Interiors
1946–64 Produktion der Bernardo Sandals (Produzent Aldo Bruzzichelli)
1948 erhält US-Staatsbürgerschaft; erste Europareise nach dem Krieg
1949–50 Bau des Nivola Wohngarten in Amagansett auf Long Island (mit Costantino Nivola)
1951 Autoreise nach Mexiko
1955 Veröffentlichung des Buches Behind the Picture Window; erste Japanreise
1956 MoMA-Ausstellung Textiles USA; Bemis Visiting Lecturer am MIT
1957–58 verantwortlich für die Einrichtung des US-Pavillons auf der Weltausstellung in Brüssel (gemeinsam mit Peter Harnden)
1958–60 weitere Japanreise als Fulbright Scholar, Research Professor an der Waseda University, Tokio
1960–65 konzipiert als Konsulent des MoMA Department for Architecture folgende Wanderausstellungen: Japanese Vernacular Graphics, Roads, Stairs, Antoni Gaudí, Architecture without Architects (tourt mit mehr als 80 Stationen elf Jahre um die Welt)
1961und1965 Gastprofessor in Yale
1962–64 Bau eines Gartens für James Carmel in Grosspoint, Michigan
1962–76 schreibt für die Zeitschrift Horizon
1963, 1964, 1971 Guggenheim Memorial Award
1965 Veröffentlichung des Buches The Kimono Mind, geschrieben während eines 9-monatigen Hawaiiaufenthalts 1959
1969 Veröffentlichung des Buches Streets for People
1969–71 Bau seines Hauses La Casa in Frigiliana bei Malaga, Spanien
1971 Veröffentlichung des Buches The Unfashionable Human Body
1973–81 Vortragstätigkeit und Gastprofessuren an in- und ausländischen Universitäten und Institutionen (Pittsburgh, Los Angeles, Minneapolis, Kopenhagen, Tokio…)
1977 Veröffentlichung des Buches The Prodigious Builders; erster Wienbesuch seit 1932 anlässlich der Verleihung der Prechtl-Medaille
1979–81 Smithsonian Scholar in Residence am Cooper-Hewitt Museum, New York; Medaille des American Institute of Architects für seine Schriften
1980 Ausstellung und Katalog Now I Lay Me Down to Eat, Cooper-Hewitt Museum
1982, 1983, 1984 Research Grant bzw. Senior Fellowship des National Endowment for the Arts
1984–86 reist als Mitglied eines Entwicklungsprogramms zur Förderung
des Handwerks nach Indien, die Ergebnisse werden in der Ausstellung Golden Eye im Cooper-Hewitt Museum vorgestellt
1986 Preis der Stadt Wien für Architektur
1987–88 Ausstellung und Katalog Sparta/Sybaris am Österreichischen Museum für
angewandte Kunst, Wien
1988 stirbt am 12. März in New York

BERTA RUDOFSKY (1910–2006)
Berta Doctor wird am 9. Mai 1910 in Wien geboren und wächst im 13. Bezirk auf. Geprägt durch ihre Eltern – ihr Vater, ein Elektroingenieur bei Siemens–Schuckert und ausgezeichneter Klavierspieler, die Mutter Therese, eine Sopranistin – studiert sie nach ihrer Gymnasialzeit in der Wenzgasse an der Universität Wien Musikwissenschaften. Bedingt durch den frühen Tod ihres Vaters und die angeschlagene Gesundheit der Mutter ist sie schon bald zur Selbständigkeit gezwungen. Nach dem Tod der Mutter Anfang der dreißiger Jahre lebt sie ein für die damalige Zeit ungewöhnlich unabhängiges, freies Leben. 1934 lernt Berta während einer Italienreise Bernard Rudofsky auf Ischia kennen; 1935 beziehen die beiden auf der Insel Procida eine Wohnung. Im November desselben Jahres heiraten sie in der New Yorker City Hall, als Trauzeugin fungiert die Wiener Keramikerin Vally Wieselthier. 1936 kommt ihr einziges Kind Peter auf die Welt, das zwei Jahre später in Como stirbt. Berta Rudofsky ist nicht nur Ehefrau und Zeitzeugin, sondern auch Mitarbeiterin, Mitreisende, Managerin, Autofahrerin, Übersetzerin, Sandalenproduzentin, Lehrende, Lektorin, Modell, Muse, Nachlassverwalterin und somit als „anonyme“ Akteurin in vielfältiger Weise am Œuvre ihres Mannes beteiligt. Nach seinem Tod 1988 lebt Berta Rudofsky abwechselnd in Wien, New York und Frigiliana (Spanien).