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Ausstellung

Kalter Krieg und Architektur

Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945

Do 17.10.2019 – Mo 24.02.2020
Farbige Zeichnung eines mehrstöckigen Hauses

Ausstellung "Kalter Krieg und Architektur" Oswald Haerdtl, Entwurf Amerika Haus, 1952
© Architekturzentrum Wien, Sammlung

Die Ausstellung kontextualisiert erstmals das Baugeschehen und dessen Akteure in Wien nach dem 2. Weltkrieg im Diskurs des Kalten Krieges. Im Gegensatz zu Berlin wird Wien nicht als Schauplatz einer politisierten Architekturdebatte zur Zeit des Kalten Krieges wahrgenommen.

Nach der Befreiung durch die Alliierten etablierte jede der vier Besatzungsmächte ein vielfältiges Kulturprogramm. Architekturausstellungen wurden von Großbritannien, Frankreich, Amerika und der Sowjetunion als Bühne für kulturelle, ideologische, ökonomische und technologische Transferleistungen genutzt. Die ausgestellte Architektur und die begleitenden Diskurse wurden zu Instrumenten eines „Erziehungsprogramms“ für eine neue Welt- und Gesellschaftsordnung, in der sich der globale Wettstreit des Kalten Krieges widerspiegelt. Wenig bekannt bis unbekannt ist deren Auswirkung auf die österreichische Architekturszene.  Während dieser Zeit konstituierten sich die intellektuellen Eliten und der Beamtenapparat. Parallel dazu begab sich die freie Architektenschaft auf die Suche nach Leitmodellen für eine neue urbane Identität.

Schwarz-weiß-Aufnahme von Zwei äleren Herren im Anzug vor einem Architekturmodell
Ausstellung "Kalter Krieg und Architektur" Erich Boltenstern vor dem Lever Building in der Ausstellung „Moderne Kunst aus USA“, Secession, 1956
© Architekturzentrum Wien, Sammlung
Farbige Zeichnung einer Gebäudes in Form eines griechischen Tempels mit Nationalflaggen
Ausstellung "Kalter Krieg und Architektur" Max Fellerer, Eugen Wörle, Wiederaufbau Parlament, 1945–1956 (Vorentwurfsvariante Jörg Jarosch)
© Architekturzentrum Wien, Sammlung

In der Zusammenschau der kulturellen Offensiven aller vier Besatzungsmächte zeigten sich unterschiedliche Herangehensweisen. Neben den jeweils spezifischen politischen Eigeninteressen der Alliierten richten sich deren kulturelle Lenkungsmaßnahmen an unterschiedliche Zielgruppen. Dabei stoßen diese auf lokale Traditionen, heterogene Interessengruppen und Netzwerke, welche den Kulturtransfer und das Konfliktpotenzial des Kalten Krieges für ihr eigenes professionelles Weiterkommen nutzen.

Das Ziel der Ausstellung ist es, das nationalgeschichtliche architekturhistorische Narrativ mit globalgeschichtlichen Fragestellungen zu ergänzen und eine Neuvermessung der Nachkriegsarchitektur einzuleiten. Die Untersuchung basiert daher nicht ausschließlich auf einer architekturhistorischen Analyse, sondern folgt methodisch dem interdisziplinären Ansatz der Cultural Studies und beinhaltet Aspekte der Diskurs-, Wirtschafts-, Sozial-, Institutions- und Politikgeschichte. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Einbeziehung von bisher nicht erschlossenen Primär- und Sekundärquellen. An erster Stelle sind hier die Vor- und Nachlässe der Architekt*innen aus der Sammlung des Az W zu nennen, in denen sich neben den Planbeständen eine Vielzahl von schriftlichen Dokumenten erhalten hat, die sich in der Zusammenschau zu einem Sittenbild der Nachkriegsmoderne verfestigen.

 

Kuratorin: Monika Platzer