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Präsentation

Josef Frank und der Wohnbau heute

Buchpräsentation und Diskussion

Di 26.05.1998, 19:00-21:00

Josef Frank und der Wohnbau heute
© Erwin Reichmann

Obgleich der Architekt Josef Frank zu den bedeutendsten Vertretern der Österreichischen Moderne zählt, beschränkt sich die Rezeption seines Werkes bis heute auf einen vergleichsweise kleinen Kreis.
Josef Franks Bauten vor dem Ersten Weltkrieg – meist in Zusammenarbeit mit Oskar Strnad und Oskar Wlach – nahmen innerhalb der modernen Architektur bereits eine fortgeschrittene Position ein.

Buchpräsentation
Kurzreferat von Maria Welzig zu ihrem Buch:
JOSEF FRANK 1885 -1967
Das architektonische Werk

Diskussion
Vor seiner Emigration nach Schweden, 1934, hatte Frank unentgeltlich Privatunterricht an Studenten erteilt. Unter den Zuhörern war der junge Roland Rainer gewesen. Er leitet mit einem kurzen Referat zur Tischrunde über:

Josef Frank und der Wohnbau heute

Die sehr unterschiedlichen Positionen der Teilnehmer versprechen eine lebendige Diskussion über die heutige Situation im Wohnbau. Ausgangspunkt ist die scharfe Kritik Josef Franks an der Wiener Wohn(bau)praxis, sowie die von ihm gesetzten Initiativen, wie etwa die zwischen 1929 und 1932 entstandene Mustersiedlung des Österreichischen Werkbundes und seine Mitarbeit in der Wiener Siedlerbewegung.

Roland Rainer – Hermann Czech – Helmut Richter – Johannes Spalt – Gerhard Steixner
Moderation: Dietmar Steiner

Das Buch

Josef Frank 1885-1967
Das architektonische Werk

Böhlau – Verlag, 1998
310 Seiten
40 Farb-Abb
ca 270 SW-Abb.
Autorin: Maria Welzig
ISBN 3-205-98471-4

Obgleich der Architekt Josef Frank zu den bedeutendsten Vertretern der Österreichischen Moderne zählt, beschränkt sich die Rezeption seines Werkes bis heute auf einen vergleichsweise kleinen Kreis.

Josef Franks Bauten vor dem Ersten Weltkrieg – meist in Zusammenarbeit mit Oskar Strnad und Oskar Wlach – nahmen innerhalb der modernen Architektur bereits eine fortgeschrittene Position ein. Die Studienzeit des Architekten, seine Arbeit im Atelier Bruno Möhrings in Berlin (1908/09) und seine frühen Einrichtungen werden im vorgestellten Band erstmals näher untersucht. Franks Studienprojekt für eine Ausstellungshalle in Wien (1907) stellt eine Entdeckung dar.

Die Autorin, Maria Welzig, Kunsthistorikerin (Dissertation über das Werk des Architekten Josef Frank bis 1938), zeigt die Moderne der zwanziger Jahre als eine inhomogene Bewegung, innerhalb der Franks Kritik am rigiden, dogmatischen Funktionalismus ein konstitutives – und keineswegs vereinzeltes – Element darstellt. Differenziert wird das Verhältnis des Wiener Architekten zu den führenden internationalen Vertretern der modernen Bewegung dargelegt.

Von der Kultur Ostasiens und der amerikanischen Lebens- und Wohnkultur gingen, wie in dem Band gezeigt wird, wesentliche Impulse auf Franks Arbeit aus. Projekte aus den dreissiger Jahren – zu Unrecht wenig bekannt – zeigen ein Suchen nach zusätzlichen räumlichen Errungenschaften.

Das architektonische Spätwerk nach dem Zweiten Weltkrieg führt diese Entwicklung weiter, bis hin zu einem Gestaltungskonzept, das auf dem Prinzip des Akzidentismus beruht. Frank sucht einen Weg, im Gegensatz zur Kälte und Rigidität des Funktionalismus, traditionelle Unordnung absichtsvoll zu erschaffen, um so eine lebensfähige Moderne, die die Welt menschengemäss, behaglich und bewohnbar macht zu erzielen.

Verwirklichen konnte Frank seine späten Ideen jedoch nicht mehr, seinen letzten Bauauftrag hatte er 1936 erhalten. Sein Spätwerk ist vor dem Hintergrund der persönlichen Situation in der Emigration zu sehen, die durch Isolation und Resignation geprägt war.

Das vorliegende Buch ermöglicht erstmals eine umfassende Kenntnis von Person und Schaffen des Architekten.

Werkliste / Biografie

1895
Josef Frank wird in Baden bei Wien geboren
1903-1908
Studium der Architektur an der Technischen Hochschule in Wien
1914
Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbunds
1919-1925
Unterricht an der Kunstgewerbeschule Wien
1925
Gründung der Firma „Haus und Garten“ gemeinsam mit Oskar Wlach
1927
Beteiligung an der Werkbundsiedlung in Stuttgart
1928
Mitbegründer des CIAM
1930-1932
Chefarchitekt und Planungsleiter der Wiener Werkbundsiedlung
1933
Emigration nach Schweden
1934-1966
Arbeit für das Einrichtungshaus Svenskt Tenn
1941-1946
Exil in New York, Zeichnerisches und theoretisches Spätwerk
1946
Rückkehr nach Schweden
1965
Erhält den Österreichischen Staaatspreis
1967
Josef Frank stirbt am 8. Januar 1967 in Stockholm

Wichtigste Bauten
1914
Häuser Wilbrandtgasse,Wien
1924
Wohnhausanlage Wiedenhoferhof, Wien
1927
Haus Beer, Wien
1929-1930
Doppelhaus in der Weissenhofsiedlung, Stuttgart
1936
Haus Wehtje, Falsterbo

Entwürfe für Möbel, Einrichtungsgegenstände, Stoffe, Tapeten, Teppiche.

Links

A humane and comfortable modernism
Artikel über Josef Frank, von Christopher Long (Englisch)

Zwei Bauten
Wissenswertes zur Werkbundsiedlung und zur Villa Beer in Wien

Brunschwig&Fils
Kurzinformation zu Josef Frank’s Stoffentwürfen (Englisch)

Josef Frank, Architect and Designer
Eine weitere Publikation über Josef Frank, von Nina Stritzler-Levine (Englisch)