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Ausstellung

Europas beste Bauten 1997

5. Mies van der Rohe Pavillon Preis für europäische Architektur

Do 26.11.1998 – Fr 15.01.1999
Ausstellungsplakat

Ausstellungsplakat: Europas beste Bauten 1997
© Architekturzentrum Wien

Eröffnung: Mittwoch, 25. November 1998, 18.00 Uhr

Der Mies van der Rohe Pavillon Preis wurde 1987 von der Europäischen Kommission, dem Europaparlament und der Fundació Mies van der Rohe Barcelona ins Leben gerufen. Das Ziel für diesen alle zwei Jahre vergebenen Preis ist es, Projekte auszuzeichnen, deren innovativer Charakter als Orientierung, wenn nicht sogar als Manifest für die Entwicklung zeitgenössischer Architektur fungiert. Anlässlich der EU-Präsidentschaft Österreichs zeigt das Architekturzentrum Wien in Zusammenarbeit mit der Wiener Städtischen Versicherung diese Ausstellung, in welcher neben dem Siegerprojekt von Dominique Perrault – der französischen Nationalbibliothek – auch die 34 Finalistenprojekte zu sehen sind.

Zur Eröffnung sprechen:
Dietmar Steiner, Direktor Architekturzentrum Wien
Siegfried Sellitsch, Generaldirektor Wiener Städtische Versicherung
Michael Häupl, Bürgermeister der Stadt Wien
Lluis Hortet, Direktor Fundació Mies van der Rohe
Diane Gray, Kuratorin Fundació Mies van der Rohe

Ausstellungsdauer:
26.November 1998 – 15.Januar 1999

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag: 9:00 – 18:00 Uhr

Ausstellungsort:
Wiener Städtische
Allgemeine Versicherung AG
Ausstellungszentrum im Ringturm
Schottenring 30
A – 1010 Wien

Vortrag:
Dominique Perrault
Mittwoch, 13.Januar 1998, 19:00 Uhr
Architekturzentrum Wien

Die Teilnehmer

Belgien
CM Bürogebäude, Eeklo
Stéphane Beel

Dänemark
Erweiterung Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen
Henning Larsen

Deutschland
Friedrichstadt Passagen – Quartier 207, Berlin
Jean Nouvel
Die Halle 26, Hannover Thomas Herzog, Hanns Schrade
Haus Babanek, Brühl Heinz Bienefeld

Finnland
Tankstelle Teboil Ltd., Vaalimaa
Mikko Heikkinen, Markku Komonen
Shipboy Housing, Helsinki Pekka Helin, Ritva Mannersuo

Frankreich
Französische Nationalbibliothek, Paris
Dominique Perrault
Archäolog. Museum u. Forschungszentrum, Arles Henri Ciriani
Europäisches Archeologiezentrum, Mont Beuvray Pierre-Louis Faloci
Haus der Kunst, Uni. M. Montaigne, Bordeaux Massimiliano Fuksas
Umbau eines Büroblocks in Wohnungen, Paris Yves Lion
Cité International (1. Phase), Lyon Renzo Piano
Fakultät f. Kunst u. Geisteswissenschaften, Universität Pierre Mendès, Grenoble Anne Lacaton, Jean Philippe Vassal

Griechenland
Haus auf Kiourka, Attica
Pantelis Nicolacopoulos
Haus für einen Kunstsammler, Anavryta Catherine Diacomidis, Nikos Haritos / Christos Papoulias

Irland
Temple Bar, Dublin
Group 91

Niederlande
Fakultät für Wirtschafts- und Managementlehre Utrecht Polytechnik Universität
Mecanoo Architects
Portierslogen f. d. Nationalpark De Hoge Veluwe, Hoenderloo MVRDV
Polizeistation Vaals, Vaals, Maastricht Wiel Arets

Norwegen
Aukrust Zentrum, Alvdal
Sverre Fehn

Österreich
Mursteg, Murau
Marcel Meili, Markus Peter, Jürg Conzett
Büros und Forschungszentrum , Seibersdorf
Coop Himmelb(l)au

Portugal
Wohnanlage, Rua do Teatro, Oporto
Eduardo Souto de Moura

Schweiz
Erweiterung Kunstmuseum Winterthur
Annette Gigon, Mike Guyer
Stadtplanungsprojekt in Monte Carasso
Luigi Snozzi
Thermalbad Vals , Vals
Peter Zumthor
SBB Stellwerk 4, Auf dem Wolf , Basel
Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Harry Gugger

Spanien
Internat, Morella
Enric Miralles, Carmen Pinós
Museum für Archäologie und Kunst, Zamora
Luis Moreno Mansilla, Emilio Tuñón Álvarez
Banco de Santander Hauptverwaltung, Madrid
Hans Hollein
Büros für die Regierung von Extremadura, Mérida
Juan Navarro Baldeweg
IMPIVA Hauptquartier, Castelló de la Plana
Carlos Ferrater, Carlos Bento, Jaime Sanahuja

Tschechien
Investment- und Post-Bank, Brünn
Ales Burian, Gustav Krivinka

Zypern
Volksschule Avgorou, Avgorou
Zenon Sierepeklis, Mario Economides

Der Juryentscheid

In ihrer ersten Sitzung in Barcelona im Januar 1997 wurden die 127 von den Experten eingereichten Projekte von der Jury begutachtet. Aus den 36 ausgewählten Finalisten wurden dann nach ausgiebiger Beratung 5 Projekte in die engere Wahl gezogen und vom Gremium besichtigt. Diese Projekte waren:

River and Rowing Museum, Henley-on-Thames, GB, David Chipperfield
Europäisches Archäologiezentrum, Mont Beuvray, F, Pierre-Louis Faloci
Aukrust Zentrum, Alvdal, N, Sverre Fehn
Französische Nationalbibliothek, Paris, F, Dominique Perrault
Thermalbad, Vals, CH, Peter Zumthor

Bei der Besichtigung stellte die Jury fest, dass das River and Rowing Museum noch nicht fertiggestellt war und aufgrund dessen nicht für den diesjährigen Preis in Betracht gezogen werden konnte. Am 10. Mai 1997 hielt das Gremium ihre zweite und entscheidende Sitzung in Thessaloniki, der europäischen Kulturhauptstadt, ab.

Die Jury hat sich für die französische Nationalbibliothek von Dominique Perrault wegen ihres bedeutenden Beitrags zur Stadtlandschaft einer Großstadt entschieden. Das Gremium lobte vor allem die durch die Bibliothek geschaffene neue urbane Situation. Als erstes öffentliches Großdenkmal am linken Seine-Ufer von Paris schafft es eine weite Esplanade neuen Typs, welche auf die Pariser Tradition der „Grandes Espaces“ eingeht, sie aber gleichzeitig erneuert.

Für den 13. Pariser Bezirk bildet die Bibliothek zum Fluss hin eine neue Fassade und dient zur anderen Seite hin als verbindendes Element über die Zuggleise hinweg. Die vier Türme werden zu Bezugspunkten der Pariser Stadtlandschaft; sie schlagen einen neuen urbanen Maßstab für öffentliche Denkmäler vor und schließen somit an das Repertoire anderer bestehender Vertikalmonumente an. Die Jury bestätigte somit die Fähigkeit der Architektur, mit verschiedenen Maßstäben zu arbeiten und diese individuell zu gestalten, ohne dabei an Kohärenz oder Kraft zu verlieren, die vom urbanen Raum der Esplanade, der Türme, des Waldquadrats ausgeht und in die Innenräume, Galerien, Leseräume, usw. führt. Von diesem Standpunkt aus ist die Auswahl der Materialien, deren Anzahl und innovativer Einsatz beschränkt wurde, ein Beitrag zur Lesbarkeit eines überaus vielschichtigen Programms.

Schließlich begrüßt die Jury die erfolgreiche Realisierung eines Projekts dieser Grösse in einem so kurzen Zeitraum, und die architektonischen Entscheidungen, die sich erfolgreich gegen die unwägbaren Tücken eines sich ändernden Programms durchgesetzt haben; eine Projektrealisierung, welche die Notwendigkeit von gemeinsamen Zielen bei Bauherren und Architektur unter Beweis gestellt hat.

Das Siegerprojekt

Die französische Nationalbibliothek ist François Mitterrands letztes und bedeutendstes „Grand Projet“. Zum besseren Verständnis der Bedeutung des Projekts muss es aus städtebaulicher Sicht betrachtet werden.

Die Bibliothek ist der „Keim“ eines neuen Pariser Viertels und gilt als Grundstein im Herzen dieses Bezirks. Eine großzügige Fussgängerpromenade wurde als Terrasse mit Ausblick auf die Seine und mit Blick auf die Straßen, Alleen und Plätze ihrer zukünftigen Umgebung angelegt. Das Konzept eines „mauerlosen“ Architekturmonuments in unmittelbarem Kontakt mit der Stadt und ohne Hürden und Grenzen hat „einen neuen Ort“ in der Hauptstadt mit eigener urbaner Landschaft definiert.

Die Bibliothek bietet mit der Promenade einen öffentlichen Raum für alle: und mit dem Garten einen Privatraum für Leser. Dieser Garten, ein authentisches Waldfragment aus der Ile de France steht im Zentrum der Bibliothek und ist zentral in die Promenade eingebettet. Die gesamte Bibliotheksanlage wurde um den Naturraum herum organisiert und steht mit diesem in Beziehung. Bäume trennen sanft und leise das bunte Treiben der Promenade von der friedlichen Ruhe der Lesesäle, wobei die gewaltigen, kunstvollen Holzteile und ineinander verschlungenen Metallformen wie ein Kreuzgang um den Hof, einen Ring um die Grünfläche bilden.

Für Präsident François Mitterrand „gräbt sich“ die Bibliothek „in die Erde ein, als suche sie dort Ruhe und Frieden. Als entgegengesetzte Geste erhebt sie ihre Türme und beteuert somit ihre Präsenz im Herzen der Stadt“. Dominique Perrault, Mai 1997

Ein initiierender Ort und kein Monstergebäude, teils Tempel, teils Supermarkt. Ein Bezugspunkt für den östlichen Teil von Paris. Ein Ort der als fester Bestandteil die Sequenz der großen Freiräume entlang der Seine weiterführt, wie der Place de la Concorde, Champ de Mars, und Invalides. So erlangt der Standort an den Ufern der Seine große Bedeutung und belebt den Platz; der Hügel im 13. Arrondissement führt zur Seine und wendet sich ab von dem Schandfleck der Hochhäuser im traurigen Porte de Choisy und Porte d’Ivry. Diese Kombination eines freien und offenen dem Maßstab der Hauptstadt gerecht werdenden Raums mit Horizontalität entfaltet die Breite und das Volumen der Bibliothek durch seine vier „leuchtturmähnliche“ Elemente, die für den dazwischenliegenden Flachraum wie Zuganker oder -diagonale wirken. Da wird eine Vertikalität geschaffen, die ein virtuelles Volumen definiert, welches wiederum die Magie, Gegenwart und Poetik der Anlage kristallisiert.

Mit seinen vier Ecktürmen, die an vier einander zugewandte offene Bücher erinnern und einen symbolischen Ort abgrenzen, zwingt der Bau mit der Ausrichtung seiner vier Ecken dem Maßstab der Stadt seine Gegenwart und Identität auf. Diese urbanen Wahrzeichen entwickeln und fördern mit dem eher zufälligen Einsatz der Türme das Konzept des „Buches“, dessen Besitz wie eine Ansammlung von Lernen, von nie vollständigem Wissen ist und sich wie ein langsamer Sedimentationsprozess gestaltet. Weitere ergänzende Metaphern wecken Bilder wie Buchtürme, Silos, oder riesige Stellagen mit unzähligen Regalen oder vertikale Labyrinthe und all diese unzweideutigen Bilder verschmelzen in der gewaltigen Identität dieser Architekturobjekte. Die Einrichtung eines Platzes untermauert die Idee der Verfügbarkeit, wie bei einem Schatz. Der öffentliche Raum stellt eine direkte Verbindung zwischen Sakralbau und dem Mann auf der Straße her. Die Aufnahme eines „eingelegten“, tiefliegenden Gartens rundet die symbolische Plazierung des Projekts ab und schafft einen ruhigen Ort, weitab vom Trubel und Treiben der Stadt. Wie ein Kreuzgang lädt dieser friedvolle, ungestörte Raum zum Nachdenken und zur Entfaltung intellektueller Bestrebungen ein.

Das Projekt ist ein Stück urbaner Kunst, eine minimalistische Installation, das „weniger ist mehr“ der Gefühle, wo Objekte und Material ohne dem Licht das sie durchflutet nichts wert sind. Ein erster Spaziergang über den Steg, der irgendwo zwischen Himmel und Erde mitten durch die Baumäste führt. Zu guter letzt der sanfte Schutz des Unterholzes mit seinen Düften und seinem Rascheln, eine Begegnung mit sich selbst und mit einer anderen Welt. Nachtsicht: die Bibliothek steht in einer Aureole von Licht, die vom Garten und der Betriebsperipherie herrührt. Ein durchsichtiges Licht steigt durch das Innere der Glastürme auf, wo es an den vier höchsten Stellen, die wie vier Leuchttürme strahlen, seinen Höhepunkt findet. Das flüssige Licht breitet sich über den Platz aus, während sich die Türme in der Seine widerspiegelt werden.

Die Herausforderung, einen Leerraum zu schaffen, sichert die Zukunft des Viertels, während gleichzeitig seine Entwicklung gelenkt wird und er deutlich architektonische Erfordernisse stellt wie die aus den großen Plätzen in Paris gezogenen Lehren. Ein Platz ist eingesäumt und ausgekleidet: ein System fortlaufender Strukturen – eine Kombination von Veranden, bedeckten Stegen und ein erhabenes krönendes Element, das sich zur Skyline gestaltet – grenzt den öffentlichen Raum ab. Dieses Szenario bildet nicht den am Wasser gelegenen Vordergrund sonder den Hintergrund. Er wird unterschiedliche Architekturdrehbücher unterbringt, wobei die einzige Regel darin besteht, dass sie zusammen um ihrer selbst willen die urbane Auswirkung der Institution begleiten sollen.
Auszug aus dem Wettbewerbstext, 1989

Bauherr:
Französische Regierung, vertreten durch den Staatssekretär für Öffentliche Gebäude

Bauunternehmer:
Bouygues SA, GKD, Sammode, St. Gobain Vitrage, Technip TPS

Mitarbeit:
Aude Perrault, Gaëlle Lauriot-Prevost, Gabriel Choukroun, Guy Morisseau, Daniel Allaire, Yves Conan, Constantin Coursaris, Maxime Gasperini, Pablo Gil, Luciano d1Alesio, Claude Alovisetti, Judith Barber, Philippe Berbett, Jérôme Besse, Jean-Luc Bichet, Charles Caglini, Jean-François Candeille, Hristo Chinkov, Alexander Dierendonck, Céline Dos Santos, Marie-France Dussaussois, Laura Ferreira-Sheehan, Corrina Fuhrer, Catriona Gatheral, Dominique Guibert, Serge Guyon, Dominique Jauvin, Anne Kaplan, Christian Laborde, Maryvonne Lanco, Corinne Lafon, Zhi-Jian Lin, Olivier Lindon, Pierre Loritte, Patrice Marchand, Thierry Meunier, Brigitte Michaud, Franck Michigan, Rosa Precigout, René Puybonnieux, Martine Rigaud, Hildegard Ruske, Jérôme Thibault, Catherine Todaro, Louis van Ost, Inge Waes

Beratung:
Technik Architektur: Perrault Associés SA
Wirtschaftsexperte: Pieffet Corbin Tomasina
BET Struktur: Sechaud et Bossuyt
BET Fluid: Technip Seri Construction
BET Sicherheit: Télécom: Syseca
BET Technische Zentralleitung: HGM
BET Agronomie: Sauveterre
Akustik: ACV