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Ausstellung

Achleitners Österreich

Das Archiv der Architektur des 20. Jahrhunderts

Do 18.05.2000 – Mo 07.08.2000
Täglich 10:00-19:00 Uhr, Mittwochs bis 21:00 Uhr
Ausstellungsplakat

Ausstellungsplakat: Achleitners Österreich
Bild: Architekturzentrum Wien, Grafik: Krieger|Sztatecsny, Büro für visuelle Gestaltung

Das regional umfangreichste Archiv zur Architektur des 20. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die das Architekturzentrum Wien rechtzeitig zum 70. Geburtstag von Friedrich Achleitner präsentiert. In einem Zeitraum von vier Jahrzehnten entstanden, ist das „Achleitner-Archiv“ das Gedächtnis der neueren österreichischen Architektur schlechthin.

Anhand von 30 ausgewählten Bauten wird die Struktur des Archives am Beispiel des Bezirkes Wien-Neubau und der Stadt Dornbirn verdeutlicht. Vier detailliert aufbereitete Bautenbiografien zeigen Bauwerke als „vitale Subjekte“ mit einer komplexen und oft konfliktbeladenen Geschichte.

Die Ausstellung bietet auch einen ersten Einblick in das projektierte digitale Archiv, das nach Abschluss der Datenerfassung zu über 30.000 Objekten öffentlich zugänglich sein wird.

Zur Eröffnung sprechen:
Friedrich Achleitner
Dietmar Steiner, Direktor Architekturzentrum Wien
Otto Kapfinger, Wissenschaftliche Leitung Architekturzentrum Wien

mittwochs 08
Mittwoch, 24. Mai 2000, 19:00 Uhr, Architekturzentrum Wien

Friedrich Achleitner und Gäste sprechen über die Bedeutung von Architekturtopografien, wie sich ihre Wertungen verändert haben und welchen Platz dieses Archiv zwischen klassischen Denkmälerinventaren und Stadtführern einnimmt.

Information und Reservation:
Telefon: ++43 1 522 31 15 – 23 (Michael Hammerschmid)
E-Mail: press@azw.at

In Zusammenarbeit mit dem vorarlberger architektur institut, der Stadt Dornbirn und dem Stadtarchiv Dornbirn.

Gefördert von:
Stadtplanung Wien
Kunst Bundeskanzleramt
Stadt Dornbirn
Arch+Ing, W, NÖ, B
Eternit
Schindler AG
Zumtobel Staff

Presseinformation

Presse Preview: Mittwoch, 17. Mai 2000, 11:00 Uhr
Eröffnung: Mittwoch, 17. Mai 2000, 19:00 Uhr
Ausstellung: 18. Mai 2000 -07. August 2000
Öffnungszeiten: Täglich 10:00 – 19:00 Uhr

mittwochs 08 -10. Mai 2000, 19:00 Uhr

Presse / Information:
Michael Hammerschmid
T ++43 1 522 31 15 – 23
F ++43 1 522 31 17
E-Mail: press@azw.at

In einem Zeitraum von vier Jahrzehnten als Privatinitiative entstanden, bildet das „Achleitner-Archiv“ das Gedächtnis der neueren österreichischen Architektur schlechthin.
Das Archiv wurde 1999 von der Stadt Wien angekauft und dem Architekturzentrum Wien zur öffentlichen Aufbereitung und wissenschaftlichen Weiterbearbeitung übergeben. Es wird zur Zeit neu geordnet und befindet sich im Prozeß der Digitalisierung. In seiner digitalisierten Form wird es nach Abschluß der Datenerfassung zu rund 30.000 Objekten des 20. Jahrhunderts auch öffentlich zugänglich sein.

Die Ausstellung zeigt nicht nur ausschnitthaft Bestände aus dieser einzigartigen Sammlung in ihrer physischen Form, sie bietet auch einen ersten Einblick in die projektierte Datenbank. Schwerpunkt der Präsentation sind 30 ausgewählte Bauten, mit denen Struktur und Inhalt des Archives am Beispiel des Bezirkes Wien-Neubau sowie der Stadt Dornbirn verdeutlicht werden. Diese Bauten sind auch digital auf Computern abrufbar – als Modelldarstellung für Methodik und Layout der Datenbank.

Weiters demonstrieren vier detaillierte Bauten-Biographien einen zentralen Aspekt der Dokumentation und Analyse von Architektur:
Mehr als jede andere Kunst ist die Baukunst in zeitliche Prozesse eingebettet, sind Bauten kaum auf “authentische Urzustände” eingrenzbar. Vielmehr sind auch Bauwerke vitale “Subjekte” mit einer jeweils komplexen, oft konfliktbeladenen Geschichte.
Dies wird anhand der Fachhochschule Dornbirn, des ehemaligen “Stafa-Warenhauses” in Wien-Neubau und der Landhäuser Eichmann und Gamerith in Seewalchen mit vielen erstmals gezeigten Dokumenten und neu erstellten Videos vorgeführt.

Zum Einstieg wird auf den Stand des zeitgenössischen Architekturverständnisses und der einschlägigen Publizistik um 1960 in Österreich verwiesen – anhand von Statistiken, Zeitungsausschnitten und Textkommentaren.
Aus der Situation um 1960, wo etwa in Wien die Stadtbahnbauten Otto Wagners noch bedenkenlos zerstört wurden, wird so die Motivation Friedrich Achleitners nachvollziehbar, eine umfassende Inventur des lokalen architektonischen Erbes der Moderne zu beginnen.

mittwochs 08
24. Mai 2000, 19:00 Uhr
Vom Dehio zum City Guide

Anlässlich der Ausstellung stellt sich mittwochs die Frage, welche Bedeutung Architekturtopografien besitzen und wie sich ihre Wertungen verändert haben. Welchen Platz nimmt dieses Archiv zwischen klassischen Denkmälerinventaren und Stadtführern ein ?

Moderation:
Otto Kapfinger

Gäste:
Renate Banik-Schweitzer, Wiener Stadt- und Landesarchiv
Wolfgang Kos, Kulturhistoriker und Journalist
Andreas Lehne, Ko-Autor Dehio Wien

StadtTeile

Anhand von 30 ausgewählten Bauten wird die Struktur des Archives am Beispiel des Bezirkes Wien-Neubau und der Stadt Dornbirn verdeutlicht. Vier detailliert aufbereitete Bautenbiographien
zeigen Bauwerke als „vitale Subjekte“ mit einer komplexen und oft konfliktbeladenen Geschichte.

Wien-Neubau
Das Gebiet von rund 1,6 km2 ist im Norden von der Lerchenfelder Straße, im Süden von der Mariahilfer Straße, im Westen vom Lerchenfelder Gürtel und Neubaugürtel und im Osten von der Zweier-Linie begrenzt. Ähnlich wie für MARIAHILF bildete auch für diesen Bezirk die Mariahilfer Straße das urbane Rückgrat (als „Bayrische Landstraße“), worauf auch die Tatsache hinweist, daß Teile der Vorstädte Laimgrube und Mariahilf nördlich von der Mariahilfer Straße lagen und an NEUBAU fielen.

STAFA-Warenhaus (“Zentralpalast”)
Mariahilferstrasse 120, A-1070 Wien

Stadt Dornbirn
Dornbirn, 1901 zur Stadt erhoben, ist nicht nur das Textilzentrum Vorarlbergs und eine Messestadt, sondern es weist auch stolz darauf hin, eine Gartenstadt zu sein. Die Bevölkerung, um l900 rund 13.000, stieg bis 1971 auf rund 35.000 Einwohner. Das heutige Stadtgebiet ist aus mehreren Dörfern zusammengewachsen, die noch eigene Zentren bilden: Niederdorf, Oberdorf, Hatlerdorf und Haselstauden. Das Niederdorf (Markt) ist der Stadtkern, an den auch der relativ nahe Bahnhof gelegt wurde. Abgesehen von einigen mehr oder weniger dicht verbauten Geschäftszonen, besteht die überwiegende Bausubstanz aus Einfamilienhäusern und, vor allem an den alten Wasserläufen, aus den Industrieanlagen.

Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie
Achstrasse1, A-6850 Dornbirn

Bauten

Vier detailliert aufbereitete Bautenbiographien zeigen Bauwerke als „vitale Subjekte“ mit einer komplexen und oft konfliktbeladenen Geschichte.

Eurocenter Mariahilf
ehem. STAFA-Warenhaus “Zentralpalast”

Mariahilferstraße 120, A-1070 Wien
1910 – 1911
Architekt: Jakob Wohlschläger

Friedrich Achleitner, in: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Bd. III/1, Wien, 1.-12. Bezirk, Salzburg und Wien 1990.

Der heutige Bau zeigt nur mehr Spuren des einstigen „1. Wiener Warenmuster-Kollektiv-Hauses“ (auch „Mariahilfer Zentralpalast“ genannt). Der zylindrische Bau mit glasgedecktem Innenhof hatte nicht nur architektonisch eine provokante Form, sondern war auch wirtschaftlich eine Kampfansage an die Großkaufhäuser, die der Sozialpolitiker und Architekt Jakob Wohlschläger ohne jegliche staatliche und städtische Hilfe machte. Das Konzept war, notleidenden Kleingewerbetreibenden Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten zu bieten.

Landhaus Eichmann

Litzlbergerstraße 37, (früher Litzlberg Nr. 27)
Seewalchen am Attersee, Oberösterreich
1927- 1928
Architekt: Clemens Holzmeister

Friedrich Achleitner, in: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Bd. I, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Wien 1980.

Das Landhaus Eichmann gehört nicht nur zu den besten Wohnbauten Holzmeisters, sondern überhaupt zu den schönsten Anlagen im Atterseegebiet. Das Haus, das wie ein Schloß am oberen Ende eines Wiesenhanges liegt, betont seine landschaftliche Wirkung durch seine symmetrische Grundform, die allerdings im Detail, räumlich wie plastisch aufgehoben ist. Die zum See hin konkave Front motiviert Holzmeister mit dem Wunsch des Bauherrn, auch die an den Seitenfronten liegenden Zimmer am See partizipieren zu lassen. Der Grundriß stellt eine Variation des englischen Landhaustypus dar. Am Innenausbau war (nach Holzmeister) „hervorragend Max Fellerer beteiligt“. Ein Meisterstück für sich ist das Bootshaus, das seinerzeit wie kaum ein anderes publiziert wurde. Seine Wirkung besteht sicher in der Geschlossenheit des Baukörpers, der trotz seiner Vielfalt an plastischen Elementen wie aus einem Guß erscheint. Heute ist die gesamte Anlage im Besitz des Landes Oberösterreich und es ist nur zu hoffen, daß man den einmaligen Wert dieses Ensembles erkennt.

Landhaus Gamerith

Unterbuchberg 21
Seewalchen am Attersee, Oberösterreich
1933 -1934
Architekt: Ernst Anton Plischke

Friedrich Achleitner, in: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert,
Bd. I, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Wien 1980.

Das legendäre “Haus am Attersee”, das Plischke zusammen mit dem Arbeitsamt Liesing schon 1935 den großen Staatspreis einbrachte, hätte wohl heute kaum mehr eine Chance, ein behördliches Genehmigungsverfahren durchzustehen. Das Haus, das zu den schönsten Beispielen eines “Bauens in der Landschaft” zählt, steht dem heutigen Selbstverständnis eines “landschaftsverbundenen Bauens” diametral gegenüber. Das Mißverständnis liegt darin begründet, daß man unter Landschaft heute nicht mehr die elementaren Qualitäten der Natur (zu denen der Städter der dreißiger Jahre seine eigene Beziehung hatte) versteht, sondern damit auch einen Kulturbegriff verbindet. Das heißt, ein Haus, das “nur” auf Topographie, Sonne, Aussicht, Wind, Klima oder auf die Landschaft als Raum reagiert, wird, wenn es nicht auch baukulturelle Elemente in sich aufnimmt, einfach als Fremdkörper empfunden. Man nimmt sich zwar nicht die Mühe, die baukulturelle Substanz einer Landschaft zu definieren (sie wäre im Atterseegebiet schon seit fast hundert Jahren eine bürgerlich-städtische), aber man glaubt sich richtig zu verhalten, wenn man sich nur entsprechend krachledern benimmt. Plischke selbst gibt eine eindrucksvolle Beschreibung des Entwurfes:

“Der Bau ist ein reiner Holzskelettbau. Um das von dem Hügel herabkommende Wasser nicht aufzufangen, sind die durchlaufenden Steher auf Betonblöcke gestellt. Damit ist eine teure Isolierung vermieden. Um gute Fußbodenwärme zu sichern, besteht der Boden aus einer massiven Platte eng gefügter Baumstämme. Zwischen Zimmerdecke und Dachsparren besteht ein isolierender Luftraum. Die sichtbare Trennung zwischen Decke und Dach ergibt eine auflockernde und klare Differenzierung des Baukörpers. Die durchlaufende Fensterwand steht unabhängig, frei auskragend vor der Skelettkonstruktion. Der Dachüberhang schützt das Fenster vor der Sommermittagssonne, läßt aber die volle Wintersonne zu. Um den Umriß des Hauses mit dem dahinterstehenden Wald in Einklang zu bringen, wurde während des Entwurfsstadiums der Umriß in Holzlatten an Ort und Stelle errichtet. Zu gleicher Zeit wurde die Höhe der Fenster als Rahmung der Aussicht mit Hilfe des Gerüstes festgelegt”.

Als “Bauen mit der Landschaft” könnte man die Summe aller dieser Überlegungen bezeichnen.

Fachhochschule Vorarlberg, ehem. Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie Dornbirn

Achstraße1, A-6850 Dornbirn
1954 -1960
Architekten: German Meusburger, Willi Ramersdorfer

Friedrich Achleitner, in: Österreichische Architektur im 20. Jhdt.,
Bd I, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Wien 1980.

Typisches Beispiel für die optimistische Architektur der fünfziger Jahre, die sich zunächst mit der Übernahme formaler Elemente der sogenannten “Internationalen Architektur” begnügte. Ein Prozeß, der in Vorarlberg durch die Schweizer Nachbarschaft beschleunigt wurde.

Biographie

1930 Geboren am 23. Mai 1930 in Schalchen, Oberösterreich

1950 – 1953 Studium der Architektur und Diplom an der Meisterschule Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste in Wien

1953 – 1955 Meisterschule Emil Pirchan, Bühnenbild

Ab 1953 Freischaffender Architekt, Zusammenarbeit mit Johann Georg Gsteu. Wichtigste Arbeit dieser Zeit ist die Modernisierung der Rosenkranz-Kirche in Wien.

1958 1958 beendet Achleitner seine Tätigkeit als Architekt und wird freier Schriftsteller. Als Mitglied der legendären „wiener gruppe“ (Konrad Bayer, Gerhard Rühm, Oswald Wiener) schreibt er Dialektgedichte und konkrete Poesie und wirkt an Aufführungen des „literarischen cabarets“ mit.

1961 Architekturkritiker der „Abendzeitung“

1962 – 1972 Architekturkritiker der Tageszeitung „Die Presse“
Bis 1972 begründen die regelmäßigen Architekturkritiken von Friedrich Achleitner eine neue Qualität der Reflexion der Architektur in Österreich.

1963 – 1983 Lehrauftrag für „Geschichte der Baukonstruktion“ an der Akademie der bildenden Künste, Wien

1983 – 1998 Vorstand der Lehrkanzel für „Geschichte und Theorie der Architektur“ an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.

Seit 1965 arbeitet Achleitner an einem „Führer zur Österreichischen Architektur im 20. Jahrhundert“, der seit 1980 in Einzelbänden erscheint. Diese weltweit einzigartige Arbeit ist das Ergebnis konsequenter Primärforschung, beruhend auf der Auswertung sämtlicher vorhandener archivalischer Quellen, der persönlichen authentischen Besichtigung aller Bauten, und deren sprachlich architekturkritischen Bewertung. Hier gelingt Achleitner eine einzigartige Verbindung von historischer Kompetenz und sprachlicher Analyse, die Verbindung von Architektur und Literatur auf höchstem Niveau. Achleitner erhielt für seine Arbeit zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Werke

1959 „hosn rosn baa“, Dialektgedichte mit H.C.Artmann und Gerhard Rühm, Wien
1960 „schwer schwarz“, konkrete poesie, eugen gomringer press, Frauenfeld
1967 „die wiener gruppe“, Hrsg. Gerhard Rühm, mit H.C.Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm, Oswald Wiener, Hamburg
1968 „Lois Welzenbacher“ Monographie, mit Ottokar Uhl, Salzburg
1970 „prosa, konstellationen, montagen, dialektgedichte, studien“, Hamburg
1973 „quadratroman“, Darmstadt
1975 „WOHNEN ETCETERA“, München
1977 „Die WARE Landschaft“, (Hrsg.), Salzburg
1980 „friedrich achleitner + gerhard rühm“. super rekord 50 + 50, Linz
1986 „Nieder mit Fischer von Erlach“, (Architekturkritik), Salzburg
1987 „Aufforderung zum Vertrauen“, (Architekturkritik), Salzburg
1991 „KAAS“ (Dialektgedichte), Salzburg
1994 „Die rückwärtsgewandte Utopie: Motor des Fortschritts in der Wiener Architektur“, Wien
1995 „Die Plotteggs kommen“, Wien
1996 „Wiener Architektur“, Wien
1997 „Region, ein Konstrukt? Regionalismus, eine Pleite?“, Basel
ab 1980 „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“
Band 1: Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg
Band 2: Kärnten, Steiermark und Burgenland
Band 3/1: Wien 1.–12. Bezirk, Band 3/2: Wien 13.–18.Bezirk, alle Residenz Verlag, Salzburg

Preise und
Auszeichnungen

1957 Theodor Körner-Preis (mit J.G.Gsteu)
1980 Preis für Architekturpublizistik der Österreichischen Gesellschaft für Architektur
1982 Prechtl-Medaille der Technischen Universität Wien
1983 Camillo Sitte-Preis
1984 Staatspreis für Kulturpublizistik
1989 Kulturpreis der Stadt Kapfenberg
1990 Preis der Stadt Wien für Kulturpublizistik
1994 Kärntner Würdigungspreis für Baukultur
1995 Oberösterreichischer Landeskulturpreis für Architektur
Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien
1995 Preis des Architekturmuseums Basel

„Von der Gnade des Verschwindens“

Auszüge aus einem Vortrag von Friedrich Achleitner.
Sie können den gesamten Text downloaden (Word RTF-file)

Dieses Haus stammt aus dem 8. Jahrhundert, erbaut 1898
oder Von der Gnade des Verschwindens

Einige Aspekte der Beziehung von Architektur und Zeit
Einige Aspekte der Beziehung von Bauwerk und Zeit
oder
Material, Struktur, Form als Dorados schlampiger (schlamperter) Verhältnisse mit der Zeit
Das Ornament, die leicht lesbare Erscheinungsform des Zeitlichen

Der chinesische Fremdenführer, der uns, ohne mit der Wimper zu zucken mitteilte, dieses Haus (genaugenommen war es eine Pagode, aber der Begriff war für den Titel meines Vortrags in Lech zu spezifisch) sei aus dem 8. Jahrhundert und wurde 1898 errichtet, hatte natürlich keine Ahnung, dass, nach unserem kulturellen Umgang mit dem Zeitbegriff, eine solche Aussage unzulässig ist. Wir, Gesellschafter einer Reliqienkultur, fesseln die Zeit an die materielle Existenz des Gegenstandes und erlauben nur den Ideen eine gewisse Zeitlosigkeit.

Wir binden also die Form an den materiellen Träger und leiden an dessen Hinfälligkeit. Ja wir trauern so heftig, dass uns die Idee im dahinsiechenden Gegenstand verschwindet, und wir halten ihn so lange fest, restaurieren an ihm solange herum, bis uns auch seine Materie unter den Händen zerbröselt und sich in eine total neue verwandelt. Wer getraut sich zu schätzen, was im Sinne eines Originals vom Wiener Stephansdom noch original ist. Vermutlich hat sich im 19. und 20. Jahrhundert der Dom sehr weitgehend erneuert, so dass wir schließlich doch, nur auf Umwegen, mit verbergenden Mitteln und uneingestandenermaßen, die Kultur des fernen Ostens erreichen. […]

Einschub

Ich muß die Denkmalpfleger unter Ihnen jetzt bitten wegzuhören. Die wirklich ewigen Bauwerke sind vermutlich die Verschwundenen. Erst das verschwundene Bauwerk kann seine Vollkommenheit entfalten. Nicht, dass es ist, ist seine Bedeutung, sondern dass es einmal war. Und gewesen ist ewig. Während sich das existierende Bauwerk immer mehr von seiner Vollkommenheit entfernt und seinen Übergang in einen Dauerzustand als Verschwinden betrauert, akkumuliert und vermehrt das verschwundene Bauwerk das Wissen über sich, es stattet sozusagen permanent seine Vollkommenheit aus und entsteht in der Erinnerung der Menschheit neu und erreicht so eine nie gehabte Vollkommenheit. Die Erinnerung ist eine Gegenstrategie gegen das Verschwinden. Allerdings begibt sich dann die Vollkommenheit in eine neue Abhängigkeit, in die des Erinnerungsvermögens. Fazit: Uns bleibt nur die Wahl zwischen zwei Unvollkommenheiten. Und, werden jetzt die Denkmalpfleger sagen, dann ist uns schon die Unvollkommenheit existierender, also anschaubarer Bauwerke lieber. […]

Gehalten im September 1999 in Lech/Arlberg im Rahmen des Symposiums “Philosophicum Lech” – Die Furie des Verschwindens

Links

„Jeder kann Dichter sein“
ORF-Beitrag zur Ausstellung „Wiener Gruppe“ in der Kunsthalle Wien

Die digitale Wissenschaft
Einige Bemerkungen über das Verhältnis von Internet und Geisteswissenschaft

„Wie zu bauen in altem Gemäuer“
Interview mit Friedrich Achleitner zum Thema „Kunst am Bau“

Auch die Ausgeburten der Phantasie tragen Muttermale.
H.C. Artmann und die Wiener Gruppe

Irrsinnige Zukunftsperspektiven
Zwischen Euphorie, Neugierde und Provokation. Interview mit Friedrich Achleitner

Der Wiener Aktionismus
Sehr gute Information und Überblick dazu.

Briefe aus dem Bergwerk
(53. Lieferung)

Briefe aus dem Bergwerk
(73. Lieferung)

Die Plotteggs kommen
Ein Bericht

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