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Kongress

9. Wiener Architektur Kongress

Sturm der Ruhe. What is Architecture?

Fr 09.11.2001 – So 11.11.2001

9. Wiener Architektur Kongress

Der jährlich stattfindende Wiener Architektur Kongress bildet ein zeitgemäßes Forum der Präsentation und Diskussion aktueller Tendenzen in der internationalen Architektur und Stadtplanung. Mit seiner Zielsetzung, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen, die Architektur und Städtebau direkt oder indirekt beeinflussen, im weitesten Sinne theoretisch zu erfassen und zu diskutieren, hat sich die dreitägige Plattform erfolgreich als Treffpunkt für internationale ArchitektInnen, TheoretikerInnen, KünstlerInnen und AutorInnen etabliert.

Im November 2001 findet der Wiener Architektur Kongress bereits zum 9. Mal statt. Nach Themen wie Architektur und Publizistik / Publishing Architecture, The Future of Cities – Learning from Asia, Wo wohnen wir / Where will we live? wird sich der 9. Wiener Architektur Kongress mit den bereits in der Ausstellung ‚Sturm der Ruhe. What is Architecture ?‘ präsentierten Themenstellungen theoretisch und diskursiv befassen.

HINTERGRUND
‚Das Zimmer im Haus schließt ein Gehäuse im Gehäuse ab. … die Anzahl der Schichten, der Wände vom Putz bis zu den Bettlaken, die Anzahl der Häute bis zur richtigen Haut verwundert den Empiristen. Wir haben die Schleier, die Kleiderhüllen bereits gezählt. Nein, wir leben nicht wie Menschen auf der Welt, so wie es in den Büchern steht; eher wie eine Varietät von Säugetieren oder weichlichen Primaten, die, nachdem sie ihr Fell verloren hatte, das Haus erfand und es sogleich mit ineinandergeschachtelten Gehäusen füllte. Das außerhalb liegende Haus stellte sich der Welt, die eingekapselte Wohnung stellt sich nur der Stadt. Die Sprache bildet die letzte der Schutzwände vor der zarten Haut, gleich nach den Bildern und den Gemälden. Hört man Radio und Fernsehen, glaubt man, die Welt persönlich trete ein.‘
(Michel Serres)

Architektur ist Vermittlungs- und Übersetzungsorgan, Schnittpunkt zwischen Kollektiv und Individuum, geprägt vom jeweiligen sozialen und lokalen Umfeld. Architektur befriedigt elementarste und alltäglichste Grundbedürfnisse. Vor allem ist Architektur jedoch spürbar, erfahrbar, erlebbar. Sie ist Material, Geruch, Geräusch. Gefühl, Weite, Enge. Raum, Unraum, Behagen, Unbehagen.

‚Architektur ist Gegenstand der Umsetzung von Kapital, soviel steht fest; aber ihre soziale Funktion kann nicht ausschließlich auf die ökonomische Dimension beschränkt werden. Die soziale und kulturelle Dimension wird nicht einseitig durch die ökonomische Dimension bestimmt. Architektur wird konditioniert und sie konditioniert selbst, Architektur ist als kollektive Tatsache untrennbar mit der Gesellschaft verbunden, allerdings 1/4(sind) ihre Prinzipien spezifischer Natur; sie entstehen aus der Architektur selbst heraus1/4 (Aldo Rossi). Mit anderen Worten, Architektur ist eine Disziplin, die ihre eigenen Prinzipien hat und diese unter den erwähnten Bedingungen einhält.‘
(Martin Steinmann)

Ein gemeinsames Merkmal der in der Ausstellung ‚Sturm der Ruhe. What is Architecture?‘ vertretenen Architekten ist der Versuch, die BenutzerInnen auf einer sinnlichen Ebene der subjektiven, körperlichen Wahrnehmung – auf der Ebene der ‚Unmittelbarkeit‘ – anzusprechen. Welches Potenzial für produktive Kritik und Auseinandersetzung liegt in diesen architektonischen und planerischen Strategien? Handelt es sich hierbei um eine neue Art von Eskapismus, oder liegen im Minimalistischen, im ‚Unsichtbaren‘, und im Versuch, sich der Vereinnahmung von Architektur und Design durch die Konsum- und Kulturindustrie zu entziehen neue Möglichkeiten?

‚Wir wenden uns nicht gegen die Verschiedenheit der Stilmittel, sondern gegen ihre Beliebigkeit. Wir wenden uns gegen diese Beliebigkeit, weil diese immer einem Abbau von Widerstand dient; einem ästhetischen, politischen Widerstand gegen die einfache Konsumierbarkeit, gegen die rasende Geschwindigkeit, mit der diese Konsumhaltung durch neues Bildmaterial unterhalten werden muss.‘
(Herzog + de Meuron)

Programm und Biographien

Freitag, 09. November, 2001
Samstag, 10. November, 2001
Sonntag, 11. November, 2001

Freitag, 09. November, 2001

15:00 Uhr
Eröffnung:
Dietmar Steiner, Direktor Architekturzentrum Wien

15:30 Uhr
Einführung
Johannes Porsch, Co-Kurator „Sturm der Ruhe. What is Architecture?“

16:30 Uhr
„Was ist Architektur?“
Georg Franck, Kulturtheoretiker (A)

18:30 Uhr
„The Aesthetic Cocoon“
Neil Leach, Architekturtheoretiker (GB)

Samstag, 10. November, 2001

15:00 Uhr
„Architektur-Geschichte und Wahrnehmung: von Distanz und Nähe“
Bettina Köhler, Kunsthistorikerin (CH)

17:00 Uhr
„Architektur, die sich selbst genügt“
Meinrad Morger, (Morger / Degelo Architekten, CH)

18:30 Uhr
„Talking Back: Architecture and Interactivity“
Lars Lerup, Architekt (USA)

Sonntag, 11. November, 2001

14:00 Uhr
„Über die Unmittelbarkeit“
Wilfried Wang, Architekturtheoretiker (D)

15:30 Uhr
„Über Risiken und Nebenwirkungen“
Ulrike Jehle-Schulte Strathaus, Direktorin des Architekturmuseum Basel (CH)

17:00 Uhr
Schlussdiskussion