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Helmut Richters Schule am Kinkplatz in Wien 14

Objekt aus der Sammlung

Foto vom einem Architekturmodell

Helmut Richter, Hauptschule Kinkplatz, Modell, 1140 Wien, 1992–1994
Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung, Foto: Iris Ranzinger

„Ich wollte eine Schule machen, bei der nicht gleich das Unangenehme, das bei Schulen immer so auffällt, sich bemerkbar macht.“ (Helmut Richter)

Der in seiner architektonischen Konzeption wegweisende und bautechnisch anspruchsvolle Schulbau wurde 1994 fertiggestellt. Entlang einer ost-west-orientierten Hauptachse spannen sich nach Süden, riesigen Libellenflügeln gleich, zwei keilförmige Körper aus bläulich schimmerndem Glas auf. Im kleineren ist die Eingangshalle, im größeren der Turnsaal untergebracht. Nach Norden gehen von der wie ein Rückgrat fungierenden Hauptachse drei längliche Baukörper ab, die sowohl die Klassenzimmer als auch gemeinsame Einrichtungen und Sonderbereiche aufnehmen. Richters Kompromisslosigkeit in der Planung technologisch fortschrittlicher Bauwerke zeigt sich hier ganz explizit.

Helmut Richter, Hauptschule Kinkplatz, 1140 Wien, 1992–1994, Außenansicht
Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung; Foto: Margherita Spiluttini

Gemäß dem Satz von Le Corbusier, dass „jeder Mensch das Recht auf Licht hat“, ist hier – wie überhaupt im Gesamtwerk Richters – Glas das bestimmende Element. Denn, so Richter: „Schmutziges Glas ist durchsichtiger als Beton.“

Seit mehreren Jahren steht das derzeit als Informatik-Mittelschule genutzte Gebäude wegen Baumängeln in der Kritik. Vieles ist allerdings dem Umstand geschuldet, dass bei der Realisierung einige von Richters innovativen technischen Lösungen aus Kostengründen nicht umgesetzt wurden – wie etwa die geplante Photovoltaikanlage auf den beiden großen Glasdächern, die zum einen Energie erzeugen, zum anderen die darunterliegenden Hallen beschatten hätte sollen.

Helmut Richter, Hauptschule Kinkplatz, 1140 Wien, 1992–1994, Einblick in den Turnsaal
Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung; Foto: Margherita Spiluttini

Im Herbst 2017 ist die Schule nun in einen temporären Ersatzbau umgesiedelt. Derzeit laufen statische Untersuchungen, denen auch eine Wirtschaftlichkeitsstudie folgen wird. Die Kosten der Sanierung sollen mit denen eines Neubaus verglichen werden. Es bleibt zu hoffen, dass im Falle dieser Architekturikone zur Entscheidungsfindung weitere Kriterien angelegt werden als rein wirtschaftliche.