Presse

Jahrespressekonferenz 2017

Mann vor Haus mit Schindeln

Yardhouse, 2014, Assemble
Bild: Assemble

Seit 1. Jänner 2017 hat das Architekturzentrum Wien mit Angelika Fitz eine neue Direktorin. Sie wird auf der besonderen DNA des Architekturzentrum Wien aufbauen, die stets nach der gesellschaftlichen Dimension von Architektur fragt, und gleichzeitig das Haus programmatisch weiterentwickeln. Im Zentrum ihrer Neuausrichtung steht die Frage „Was kann Architektur?“. Das „Können“ bezieht sich dabei vor allem auf eine Rückgewinnung der Handlungsfähigkeit. Was kann Architektur zu den aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen beitragen? Die Beschäftigung mit einer „gebauten Verteilungsgerechtigkeit“, Fragen nach dem Zusammenleben in einer zunehmend diversen Gesellschaft sowie der Dauerbrenner des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen, sind zentrale Anliegen ihrer zukünftigen Arbeit.

Ausstellungen 2017

Zu allen drei Schwerpunkten bietet das Jahresprogramm 2017 neue Impulse: Die britischen Jungstars „Assemble“ entwickeln prototypische Projekte dafür, wie gemeinschaftliches, räumlich innovatives, ökologisches und nachhaltiges Bauen aussehen könnte. Mit seinem Beitrag zur Vienna Biennale verlässt das Az W die Ausstellungsräume am Standort MuseumsQuartier und geht in den Stadtraum. Unter dem Titel „Care + Repair“ entsteht ein öffentlicher Arbeitsraum in einem der spannendsten Stadtentwicklungsgebiete Wiens, dem ehemaligen Nordbahnhof. Mit der Pop-up-Ausstellung „Actopolis“ bietet das Az W eine Bühne für Akteur*innen aus Südosteuropa: Wie haben sich die Stadtgesellschaften nach den Ereignissen im Gezi-Park in Istanbul oder am Syntagma-Platz in Athen, nach Öffnung und Schließung der Balkanroute verändert und was können wir davon lernen? Im Herbst 2017 schaut das Az W hinter die Kulissen der Architekturproduktion – „Form folgt Paragraph“ lautet der provokante Titel der Schau, die anhand anschaulicher Beispiele eine breite Diskussion zu Baurecht, Normen und Standards, aber auch ganz grundsätzlich zur „Vollkaskogesellschaft“ entfachen will.

Was kann Architektur?

Was kann Architektur? – diese zentrale Frage geht uns alle an! In sämtlichen Bereichen wird das Az W nicht nur neuralgische Themen, sondern auch neue Formate zu dieser Fragestellung erarbeiten. Ziel ist ein Museum, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern sich als Ort des Teilens von Wissen manifestiert. Dabei spielt die Einbeziehung der Perspektive der Nutzer*innen von Architektur eine zentrale Rolle, um eine Brücke zwischen Fachwelt und breitem Publikum zu spannen. Das umfassende Veranstaltungs- und Vermittlungsangebot für alle Altersgruppen mit über 500 Veranstaltungen, Exkursionen und Workshops pro Jahr trägt zur vielschichtigen Verankerung von Architektur bei. Gleichzeitig gilt es weiterhin die Bewahrung, Erforschung und Aktualisierung des architektonischen Erbes zu sichern. Das wissenschaftliche Renommee des Hauses bewog in den letzten Jahren viele österreichischen Architekt*innen des 20. Jahrhunderts dazu, ihre Vor- oder Nachlässe dem Az W anzuvertrauen. Diese einzigartige Sammlung wird im neuentwickelten Format „SammlungsLab“ zukünftig regelmäßig ihren Auftritt bekommen.

AUSSTELLUNGEN 2017

ASSEMBLE. WIE WIR BAUEN

01.06.–11.09.2017 | Ausstellungshalle 2
Eröffnung: Mi 31.05.2017, 19:00
Pressekonferenz: Mi 31.05.2017, 11:00

Wie wir bauen, wie Dinge gemacht sind und wie Materialien zusammenfinden, an diesen Verhältnissen zeigt sich die soziale, ökonomische und politische Verfasstheit einer Gesellschaft. Um die Veränderung dieser Verhältnisse durch gemeinschaftliches Handeln geht es in der Arbeit des Londoner Kollektivs Assemble. Die Mitglieder von Assemble haben sich 2010 nach Abschluss ihres Studiums an der Universität Cambridge zusammengefunden und bereits fünf Jahre später den Turner-Preis, Europas angesehenste Auszeichnung im Bereich zeitgenössischer bildender Kunst, erhalten. Ihre Projekte bewegen sich an der Schnittstelle von Architektur, Öffentlichkeit und stadtplanerischen Prozessen. Assemble sind Meister in der Entwicklung von kooperativen Formaten, die sich oft über die gesamte Projektphase bis hin zur Realisierung und darüber hinaus erstrecken. Dabei verbinden sie in einzigartiger Weise soziale Aktivierung, poetische Räume und ökonomische Nachhaltigkeit. Ihre Projekte sind Prototypen dafür, wie eine Gesellschaft anders bauen könnte.

Das Architekturzentrum Wien zeigt die weltweit erste Überblicksausstellung zum Werk von Assemble. Elf ausgewählte Projekte veranschaulichen die Bandbreite ihrer Arbeit – von realisierten Architekturprojekten über Möbelentwürfe bis zur urbanistischen Intervention. Sie verlassen dabei die klassischen Vermittlungspfade von Architektur und unterziehen jedes Projekt einem künstlerischen Re-Reading. Außerdem wird in der Ausstellung auch ein konkreter Bezug zwischen der Arbeitsweise von Assemble und der Architekturproduktion in Wien hergestellt. Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen wurde mit der TU Wien eine Kooperation für eine Gastprofessur etabliert. Die Ergebnisse dieses Prozesses werden in die Ausstellung im Frühjahr 2017 einfließen. Was kann Wien von Assemble lernen? Die Ausstellung macht deutlich, welche neuen Wege die Arbeit von Assemble für die Zukunft der Architektur eröffnet.

Kuratorinnen: Angelika Fitz, Katharina Ritter

CARE + REPAIR im Rahmen der Vienna Biennale 2017

21.06.–31.07.2017 | Nordbahn-Halle beim Wasserturm, Ecke Leystraße/Taborstraße, Nordbahnhof Wien, 1020 Wien
Eröffnung: Di 20.06.2017, 20:00
Pressekonferenz: Di 20.06.2017, 09:30

Ein öffentlicher Arbeitsraum des Architekturzentrum Wien im Rahmen der Vienna Biennale 2017: Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft.

Unter dem Titel Care + Repair geht der Beitrag des Architekturzentrum Wien zur Vienna Biennale davon aus, dass Sorge tragen und Reparieren zu den zentralen Strategien für einen positiven Wandel gehören. Das gilt auch für aktuelle städtische Entwicklungen. Welche neuen Akteur*innen und Praktiken braucht es, um die Zukunft zu reparieren? Um dieser Frage nachzugehen, etablieren die beiden Kuratorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny einen öffentlichen Arbeitsraum in einem aktuellen urbanen Transformationsgebiet, und zwar am Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs in Wien. In Tandems mit lokalen Initiativen erarbeiten internationale Architekt*innen und Urbanist*innen konkrete Vorschläge für einen neuen Care + Repair Urbanismus. Eine wachsende Ausstellung vor Ort vermittelt die Prozesse und Ergebnisse. Gerade unter den Bedingungen der digitalen Moderne und der Krise des Wohlfahrtsstaates wird Care + Repair als gesamtgesellschaftliche Perspektive aufgefasst, als gemeinsame Handlungen, die sich durch das Bemühen um ein Erhalten, Fortsetzen und Reparieren unserer Welt auszeichnen.

Kuratorinnen: Angelika Fitz, Elke Krasny

ACTOPOLIS. DIE KUNST ZU HANDELN

07.10.-15.10.2017 | Ausstellungshalle 2
Eröffnung: Fr 06.10.2017, 19:00

Traditionelle demokratische Institutionen sind in die Krise geraten, während die zivilen Stadtgesellschaften spätestens seit Occupy, Gezi-Park oder Syntagma-Platz in Bewegung sind. Rufe nach dem guten Leben jenseits von Austeritätspolitik, nach einer vielschichtigen Öffentlichkeit, die diesen Namen verdient, nach Gemeinschaften, die sich nicht über Abschottung definieren, werden lauter und intensiver. In dieser Situation etabliert „ACTOPOLIS – Die Kunst zu handeln“ ein transnationales Testfeld für urbane Alternativen. ACTOPOLIS verbindet Architekt*innen, Urbanist*innenen und Aktivist*nnen aus Ankara/Mardin, Athen, Belgrad, Bukarest, Oberhausen, Sarajevo und Zagreb in einem gemeinsamen Produktionslabor. Die Leitidee dahinter wie auch das konkrete Ziel von ACTOPOLIS ist nicht das große Einzelereignis, sondern die Weitergabe von Erfahrung und die gemeinsame Entwicklung von urbanistischen Werkzeugen. 2017 werden die Ergebnisse der dreijährigen Zusammenarbeit in einer Ausstellung präsentiert, die selbst wieder zum öffentlichen Ort für Debatten und Koproduktionen wird.

Eine Kooperation mit dem Goethe-Institut und Urbane Künste Ruhr.

Projektleitung: Juliane Stegner, Goethe-Institut Athen
Künstlerische Leitung: Katja Aßmann, Angelika Fitz, Martin Fritz
Kurator*innen: Ankara/Mardin: Pelin Tan; Athen: Elpida Karaba/Glykeria Stathopoulou; Belgrad: Boba Mirjana Stojadinović; Bukarest: Stefan Gheniciulescu/Raluca Voinea; Oberhausen: Geheimagentur; Sarajevo: Danijela Dugandžić; Zagreb: Ana Dana Beroš

FORM FOLGT PARAGRAPH

23.11.2017–04.04.2018 | Ausstellungshalle 2
Eröffnung: Mi 22.11.2017, 19:00
Pressekonferenz: Mi 22.11.2017, 11:00

Mit der Ausstellung „Form folgt Paragraph“ widmet sich das Az W der Frage, wie sich Baurecht und Normen auf die Architektur auswirken – wie sie Architektur tatsächlich mitgestalten. Der Blick hinter die Kulissen hat einerseits eine architekturgeschichtliche Dimension: Hätten die barocke Vielfalt Wiens, die Eleganz der Otto Wagner’schen Stadtbahnstationen oder die Treppenlösungen eines Adolf Loos unter heutigen Regelwerken entstehen können? Andererseits stellt die aktuelle demografische Entwicklung die Architektur vor neue Herausforderungen, auch was die Leistbarkeit von Wohnraum betrifft. Welche regulatorischen Veränderungen würden den Architekt*innen, der Bauwirtschaft, dem öffentlichen Fördersystem und vor allem den zukünftigen Bewohner*innen helfen, ein „maximales Minimum“ für alle zu erreichen? Welche Regeln braucht eine Gesellschaft, weil sie das öffentliche Interesse wahren, das Zusammenleben erleichtern oder unser Leben schützen möchte? Welche sind überbordend, widersprüchlich oder erfüllen vor allem Partikularinteressen? Die Ausstellung will anhand anschaulicher Beispiele eine breite gesellschaftliche Diskussion dazu entfachen.

Kuratorinnen: Martina Frühwirth, Karoline Mayer, Katharina Ritter

SAMMLUNGSLAB | GALERIE

Mit dem SammlungsLab entwickelt das Az W ab 2017 ein neues Format zur Sichtbarmachung der umfangreichen Bestände der Az W-Sammlung. Ein- bis zweimal im Jahr werden Originalmaterialien in aktuelle Kontexte gestellt. Das SammlungsLab versteht sich als Probebühne für einen experimentellen und zukunftsgerichteten Umgang mit dem architektonischen Erbe und ist durchaus als Vorbereitung für eine permanente Präsentation der Architektursammlung gedacht.

SAMMLUNGSLAB01_DAS TERRASSENHAUS. EIN WIENER FETISCH?

19.10.–20.11.2017 | Galerie
Eröffnung: Mi 18.10.2017, 19:00

Seit dem Entwurf des Terrassenhauses von Adolf Loos 1923 und bis heute gilt dieser Typus in Wien als innovative städtische Wohnform. Im Sammlungslab wird den Entwicklungsphasen und der Aktualität des Terrassenhauses nachgegangen und die Frage gestellt, ob es sich tatsächlich um ein lokalspezifisches Wohnkonzept handelt. Das Interesse an dieser Wohnform scheint ungebrochen. Das Terrassenhaus erfüllt einerseits die aktuellen Ansprüche der Nutzer*innen nach Naturnähe in Verbindung mit Urbanität und anderseits eröffnet es den Architekt*innen formale Möglichkeiten für Neuinterpretationen des geschlossenen Wohnblocks. An Hand von historischen und zeitgenössischen Beispielen soll der Aktualität des Terrassenhauses in verschiedenen städtebaulichen Kontexten nachgegangen werden.

Kuratiert von Lorenzo De Chiffre in Zusammenarbeit mit Monika Platzer/Az W.

A_SCHAU. ÖSTERREICHISCHE ARCHITEKTUR IM 20. UND 21. JAHRHUNDERT

Dauerausstellung | Ausstellungshalle 1

Die „a_schau“ zeigt einen umfassenden Überblick zur Entwicklung und Geschichte der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts. In einer kompakten Ausstellung präsentiert das Az W 150 Jahre beachtliche heimische Architekturgeschichte. Auf 300m2 werden rund 170 Architekt*innen vielschichtig und abwechslungsreich vorgestellt. Der Kids Corner in der a_schau lädt kleine und große Besucher*innen ein zu verweilen und Architektur mit allen Sinnen zu begreifen.

VERANSTALTUNGEN / VERMITTLUNG / EXKURSIONEN

Mittwoch ist Veranstaltungstag im Az W: Vorträge, Podiumsdiskussionen und Werkberichte finden begleitend zu Ausstellungen, thematisch gruppiert im Rahmen von Ausstellungen oder aus aktuellem Anlass statt. Symposien bieten in komprimierter Form die Möglichkeit zur differenzierten Auseinandersetzung mit architektonisch relevanten Themen. Im letzten Jahr konnten 28 Veranstaltungen in verschiedenen Formaten erfolgreich durchgeführt werden. Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen.

Zentrales Anliegen des Architekturzentrum Wien ist die lebensnahe und abwechslungsreiche Vermittlung von Architektur für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Vermittlungsabteilung des Hauses entwickelt, abgestimmt auf die Bedürfnisse der verschiedensten Alters- und Interessensgruppen, für beinahe jede Ausstellung unterschiedliche Angebote. 2016 wurden über 429 Führungen und Workshops durchgeführt. In einer Vielzahl von Kooperationen, Stadtexpeditionen, Workshops und Führungen wird das Az W auch 2017 wieder eine Brücke zwischen Fachwelt und Alltagserfahrung schaffen. Aktuelle Informationen zum aktuellen Vermittlungsprogramm.

Das Az W bietet regelmäßig an ausgewählten Terminen Bauvisiten, Busexkursionen und themenbezogene Spaziergänge an. Exkursionen ermöglichen eine direkte Begegnung mit wichtigen Bauten und deren Architekt*innen, bieten eine Plattform für die Auseinandersetzung mit aktuellen und historischen Themen am Ort des Geschehens. 2016 wurden 19 Az W vor Ort-Besichtigungen über das Jahr verteilt am Freitag, Samstag oder Sonntag angeboten. Im Rahmen der Az W Tours wurden im vergangenen Jahr insgesamt 72 Gruppenführungen auf Anfrage verschiedenster nationaler und internationaler Architekturbüros, Universitäten, Firmen, Institutionen und Privatpersonen organisiert und durchgeführt. Aktuelle Informationen und Termine.

Care Walk Nordbahnhof mit Elke Krasny/Akademie der bildenden Künste, 2016
Bild: Elke Krasny
Innenhof mit Pflanzen
Granby Four Streets, 2015, Assemble
Bild: Assemble
Gerüst mit Menschen
Yardhouse, 2014, Assemble
Bild: Assemble
Mann vor Haus mit Schindeln
Yardhouse, 2014, Assemble
Bild: Assemble
Haus mit Schindeln
Yardhouse, 2014, Assemble
Bild: Assemble
Blick von einem Gebäude auf eine hügelige Landschaft
„Commanding Heights“ – zur Militarisierung des öffentlichen Raums, Actopolis Ankara/Mardin
Bild: Sevgi Ortaç
Terrassenhaus im Wohnpark Alterlaa
SammlungsLab01_Das Terrassenhaus. Ein Wiener Fetisch?; Harry Glück & Partner, Kurt Hlaweniczka, Franz Requat und Thomas Reinthaller, Wohnpark Alterlaa, 1973-1985, Anton-Baumgartner-Straße 44, 1230 Wien
Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung, Margherita Spiluttini
Blick auf Wohnhausanlage
Filmstill aus dem Film „Batushas Haus“ (CH/KO 2015, 68 min, OmeU, R: Tino Glimmann & Jan Gollob)
Bild: © Still © Tino Glimmann & Jan Gollob
Ein Mensch, dessen Rückenansicht man sieht, geht auf einer Straße in einer Stadt
Actopolis Micro-Residencies: stadtübergreifende Netzwerke
Bild: Michael Pappas
Terrassenhaus
SammlungsLab01_Das Terrassenhaus. Ein Wiener Fetisch?; Lacaton & Vassal, Wettbewerb aspern International, 2015
Bild: © Lacaton & Vassal
Barrierefreier Zugang zu Reihenhausanlage
Form folgt Paragraph: Barrierefreier Zugang zur Eingangstüre (Erweiterung und Sanierung „Stadt des Kindes“, Architektur: Walter Stelzhammer, Peter Weber, Wien 2013)
Bild: Martina Frühwirth
Gezeichnete Wohnberge
Arbeitsgruppe 4, Wohnberge - eine neue städtische Bebauungsform, 1964
Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung
Menschen sitzen auf Liegestühlen in einem Raum
Actopolis Lab – gemeinsame Projektentwicklung
Bild: Rainer Schlautmann