Highlight

Bruta­lis­mus in Wien: Johann Pleyers Obla­ten­klo­ster St. Paul, Wien 13

Objekt aus der Sammlung

Farbige Architekturskizze

Johann Pleyer, Oblatenkloster St. Paul, 1130 Wien, Entwurfsskizze
© Architekturzentrum Wien, Sammlung

Inmitten einer wenig spektakulären Planrolle mit den typischen graubraunen Transparentplänen plötzlich die große Überraschung: Eine Reihe von farbigen Entwurfsskizzen und zarten Bleistiftzeichnungen lassen den Entwurfsprozess lebendig werden.

Am 29. Januar 1970 geht ein Brief von der Provinzprokur der Oblaten an Johann Pleyer. Darin werden dem Architekten Änderungswünsche für den geplanten Bau eines neuen Klosters in der Auhofstraße 169 mitgeteilt – unter anderem als Punkt 8: Kein flaches Dach. In dieser Hinsicht haben sich die Patres nicht durchgesetzt, denn Pleyer entwirft einen langgezogenen, zweistöckigen Baukörper mit Flachdach (erbaut 1970–1972). Zwei massive Betonsäulen, die das Stiegenhaus und den im Schreiben ebenfalls geforderten Aufzug aufnehmen, durchbrechen den Bau vertikal. Oberhalb des Eingangs erhalten die ansonsten schlicht gehaltenen Fensterbänder ein kompliziertes, filigranes Muster, das im Einreichplan noch nicht eingezeichnet ist. Kunst am Bau ist bei diesem Werk ein wichtiges Thema für den Architekten. Das Gebäude wurde nach dem Auszug des letzten Paters erst vor kurzem an eine gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft verkauft.

Johann Pleyer (1937–2001) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er die Meisterklasse von Roland Rainer besuchte. Ab 1969 war er als selbstständiger Architekt tätig und nahm an zahlreichen Wettbewerben teil. Er konnte mehr als 200 Projekte realisieren, sowohl Wohn-, Schul-, Kirchen- und Sozialbauten als auch Industrie- und Gewerbebauten. In Wien wurde neben zahlreichen Einfamilienhäusern und dem Oblatenkloster unter anderem auch das Gebäude der Sozialversicherungsanstalt in Wien 4, Wiedner Hauptstraße 84-86 (1969) nach seinen Plänen errichtet. Wir freuen uns über diesen Neuzugang im Schwerpunkt zur Nachkriegsarchitektur in unserer Sammlung.