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Johannes Spalt Wahlverwandtschaften

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Preis: € 62,00
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Deutsch / Englisch. Mit zahlreichen Abbildungen. Mit Beiträgen von Otto Kapfinger, Monika Platzer und Wilfried Wang.

264 Seiten
Format 297x231 Leineneinband
Erscheinungsjahr: 2010
ISBN: 9783701732203

Inhalt
8 Vorwort, Dietmar Steiner

Album
14 Hier ist es schön
24 Prinzipielles
26 Dach. Paravent.
30 Mobilität. Leichtigkeit.
34 Poetik. Lusthaus.
38 Wahlverwandtschaften
40 China, Japan, Türkei, Anonyme Architektur
50 Wiener Flair: Loos, Frank, Hoffmann
54 Architektur bis ins Möbel
62 Lebensform. Raumkultur.
64 Haus Reisinger, Gmunden, 1950 –1952
70 Wohnhaus Wittmann, Etsdorf am Kamp, 1970 –1975
76 Salvatorkirche am Wienerfeld, 1975–1979
82 Wohnhaus Maier, Neupurkersdorf, 1980 –1982
88 Raftlhof, Hessenberg, Altmünster, 1981–1984
94 Haus Schubert II, Kollmannsberg, Altmünster, 1983
98 Ausstellungspavillon Wander Bertoni, Winden am See, 1999–2000
102 Haus Piplics, Mödling, 1994 –2005

Essays
Monika Platzer
108 Johannes Spalt: Gute Dinge sind nicht augenfällig
Otto Kapfinger
140 Johannes Spalt: Westöstliche Raumkunst
Wilfried Wang
172 Aus der Ferne betrachtet: Zum Werk von Johannes Spalt

Appendix
190 Biografie
192 Bauten und Projekte
194 Bibliografie
199 Index

Vorwort
Dieses Buch ist Johannes Spalt, seinem 90. Geburtstag und seinem Werk gewidmet. Ein Anlass, aber auch eine notwendige Aufgabe. Weil sie so ungemein unzeitgemäß ist. Die Welt der Architektur nach dem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends ist von einem hektischen, globalen Zeitgeist geprägt. Zwar scheint die Konjunktur der in den letzten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts prägenden Star-Architekten sich langsam abzuflachen. Auch weil die angebotenen formalen Spektakel inzwischen namenlos geworden sind, weil sie fast von jedermann bildhaft überwaltigend erzeugt werden können. Noch immer aber befinden wir uns in einer allumfassenden Ökonomie der Aufmerksamkeit, die in einem wertelos gewordenen medialen Kosmos mit immer neuen belanglosen Styling-Ideen den Markt bedient.
Mit diesem massenmedialen Hintergrund ist es schwierig geworden, wieder über eine „Architektur“ zu reden, die „Bauen“ und „Gestalten“ mit kulturellen Wurzeln und mit aus der Disziplin entwickelten Konzepten und Haltungen betreibt. Zumindest seit zwei Generationen der Architekturgeschichte, seit dem Ende der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts, bemerken wir eine radikale Abnabelung von allem, was die Architektur mit dem konkreten Leben der Menschen und ihren Bedürfnissen, mit den gebauten Erfahrungen, verbunden hat. Wilfried Wang adressiert in seinem Beitrag diesen heutigen Jahrmarkt der Eitelkeiten, der keinen Respekt mehr hat vor dem unendlichen Reichtum der Baugeschichte. Und wenn Otto Kapfinger in seinem Beitrag Johannes Spalt als Proponenten der „Dritten Generation“ der Moderne einordnet, so müssen wir heute erkennen, dass es anscheinend nach dieser Generation einen kulturellen Riss der Überlieferung gegeben hat, der die überwiegende heutige zeitgenössische Architekturproduktion in einer bewusstlosen und erklärungslosen Entwurzelung dahintreiben lässt.
Jene Architektur, die sich mit kulturellen Wurzeln, mit zeitgenössischen Konzepten und Haltungen beschäftigt, befindet sich heute wieder, wie vor dem großen Boom der eitlen Spektakel, in einer abseitigen, widerständigen Position. Es sind kleine, unspektakuläre Arbeiten, die wieder mit dem Lokalen arbeiten, von Chile bis China, von Norwegen bis Südafrika, die den umfassenden Geist der Moderne aufgenommen haben. So als ob sie unsere experimentelle Antike wäre.
Wir müssen heute daran erinnern, dass die Moderne nicht vom Himmel gefallen ist, dass die Moderne nicht ansatzlos aus der Anwendbarkeit neuer technischer Möglichkeiten geboren wurde. Sie war, wie jede kulturgeschichtliche Entwicklung, eine Überwindung und Anverwandlung herrschender Möglichkeiten für neue Bedürfnisse. Diese nötige Rückbesinnung öffnet den Blick auf das Werk von Johannes Spalt, das uns dafür in all seiner Breite und Tiefe als Beispiel dienen soll.
Mir fällt dazu eine Frage ein, die sich Spalt vielleicht einstmals gestellt haben könnte: Was braucht es, um sich in der Welt einzurichten? – „Was braucht es“ verweist auf seinen Ansatz, über das ressourcenschonend Notwendige nachzudenken: Das Leichte, das Konstruktive, das Zerlegbare, der Schirm, die Haut. Allesamt grundsätzliche Anforderungen, mit der jede Architektur, jeder Bauteil hinterfragt, aber auch jedes Möbel neu gedacht werden kann. Den Forschungsraum dafür bietet der nächste Begriff in der hypothetischen Frage: die „Welt“. Fast selbstverständlich war für die „Dritte Generation“ der Moderne, und damit für Spalt, die Erkundung der reichen Erfahrungen der Volkskultur und ihres Alltags. Nicht die modernistische Fortschreibung des konsumistischen Lebensstils der sogenannten „Ersten Welt“ war das Begehren, sondern die Suche und das folgende Erstaunen, welche Werte und Erkenntnisse in anderen alten Kulturen entwickelt wurden. Kann man wirklich zeitgenössische Architektur denken, ohne sich der reichen Hochkulturen der osmanischen und asiatischen Traditionen zu versichern? Spalt verbindet hier sein eigenes Werk ganz selbstverständlich vor allem mit Josef Franks undogmatischer und lustvoller Moderne. Womit wir beim letzten Begriff der hypothetischen Frage gelandet wären, dem „einrichten“. Nochmals: Was braucht es, um sich in der Welt einzurichten? – Ist es nicht die hervorragendste, ja die einzig notwendige Aufgabe der Architektur, einen „Ort“ zu schaffen, der dem Individuum, der Gruppe, der Masse, einen stimmigen, passenden, anregenden Rahmen und Hintergrund bildet? Eine Architektur, die Antwort darauf gibt, wer und wo ich bin, eingerichtet sozusagen. Dies alles findet sich in diesem wunderbar unzeitgemäßen Buch, das den „Kosmos Spalt“ mit analytischen und aufklärenden Beiträgen von Monika Platzer, Otto Kapfinger und Wilfried Wang umkreist, vermittelt durch die neu aufgenommenen, exzellent einzigartigen Fotoessays der von Spalt geschaffenen Wohnwelten von Verena von Gagern, die kongeniale Grafik von Gabriele Lenz unter der redaktionellen Konzeption sowie den Forschungen im Vorlass von Johannes Spalt durch Monika Platzer.
Warum wohl fühlte ich mich nach der Lektüre dieses Buches so wundersam entspannt und zufrieden? Bin ich vielleicht dem wirklichen Leben begegnet? Und das in einem Architekturbuch, heute?! (Dietmar Steiner)

© Az W 

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