Architekturzentrum Wien  
 

 
 
margherita spiluttini. spacious

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Ausgabe: Deutsch/Englisch
Umschlag: Englisch (hier zur deutschen Ausgabe)

ISBN 978 3 901756 85 6
319 Seiten, ca. 250 Abbildungen
Herausgeber: Architekturzentrum Wien

Inhalt
Vorwort Dietmar Steiner
Monika Faber Das lange Stillhalten des Objekts
1 Facies. Portrait einer Stadtgeschichte / Friedrich Achleiter
2 Haus Wittgenstein. Otto Kapfinger: Hausgewordene Philosopie
3 Form der Zeit. Arno Ritter, Werner Durth Im Gespräch
4 Trouvé. Allison und Peter Smithson: ,Vorgefunden‘ und ,gefunden‘
5 Ordnung System Unordnung. Rainer Fuchs
6 Alpen. Thomas Bernhard:
7 Infiltration Reflexion. John Berger
8 Bau Körper. Christiane Zintzen: In der Falle: Leib und Bau
9 Laban Creekside. Rudolf Laban
10 Innensicht Einsicht. Cathrin Pichler Inside – Insight
11 Anspielung Täuschung. Julian Schutting: Leonardo da Vinci, Das letzte Abendmahl
Biografie
Bibliografie

Vorwort
Margherita Spiluttinis Karriere beginnt mit der Ausbildung als medizinisch-technische Assistentin in Innsbruck, wobei sie medizinische Fotografie lernt, die sie dann in Wien bei ihrer Tätigkeit in der nuklearmedizinischen Ambulanz auch einsetzen kann. Die Präzision der fotografischen Arbeit war also schon damals eine zunächst rein arbeitsmethodische Bedingung. An eigenständige fotografische Arbeiten dachte sie noch nicht, als sie 1970 Adolf Krischanitz heiratete, der gerade mit der Avantgarde-Gruppe ,Missing Link‘ neue Formen der Architektur mit Installationen, Performances und Experimentalfilmen erprobte. Erst nach der Geburt der Tochter Ina beginnt sie zu fotografieren, einfach so, ohne künstlerische Ansprüche zunächst. Fotografie in Österreich gab es damals grosso modo oder in den Augen der Öffentlichkeit nur als Reportage, als Gewerbe, kein Studium an einer Kunstakademie wurde angeboten, keine Fotogalerie existierte, am Kunstmarkt war Fotografie weder präsent noch überhaupt diskutabel. Also machte auch Margherita jenseits des Hobbys immer häufiger Reportagen: für die Stimme der Frau, ein Magazin der KPÖ, über die ,Gassergasse‘, Reportagen für den "Wiener", auch über Pop-Konzerte.

Es sind erst die achtziger Jahre, die eine neue Zeit für die Fotografie in Österreich eröffnen – und Margherita Spiluttini hat mir erlaubt, zu diesem Zeitpunkt auch
den eigentlichen Beginn ihrer Karriere anzusetzen. Rund um das Forum Stadtpark in Graz formiert sich Camera Austria mit Christine Frisinghelli und Manfred Willmann. Mit Symposien und der Zeitschrift ab 1980 beginnt sich ein neues Selbstverständnis der Fotografie zu entwickeln. Für Margherita Spiluttini eröffnete der Anker Camera Austria eine völlig neue Dimension ihres eigenen Interesses. Ausgehend von den amerikanischen New Topographers, wurde für sie der eigenständige fotografische Wert der Dokumentation des Alltags, des scheinbar Nebensächlichen als selbständige künstlerische Interpretation erkannt und gefordert. Die Gelegenheit bot sich, als Otto Kapfinger und ich Anfang der achtziger Jahre in der Nachfolge Friedrich Achleitners und auf Initiative des Kulturredakteurs Franz Endler in der Tageszeitung Die Presse regelmäßige Architekturkritiken zu schreiben begannen und Margherita Spiluttini beauftragten, das jeweilige Objekt zu fotografieren. Als wir dann den ersten Wiener Architekturführer im Auftrag der Stadt Wien realisieren konnten, entschieden wir, dass alle Bauten von Margherita extra fotografiert werden mussten. Für sie war dies, sagt sie heute, ihr professioneller Eintritt in die Architekturfotografie.

Immer mehr Architekten erkannten die Qualität ihrer Bilder und engagierten sie für das fotografische Portfolio ihrer Bauten. Man kann also ruhigen Gewissens behaupten, dass die österreichische Architekturfotografie in den achtziger Jahren von Margherita Spiluttini neu begründet wurde. Und die Architekten insgesamt erkannten, dass ein ,fremder Blick‘, ein professionelles Auge auf ihre Bauten ihnen selbst neue Einsichten vermittelte. Anfang der neunziger Jahre begann dann Margherita Spiluttinis internationale Karriere. Die Lagerhalle Ricola von Herzog & de Meuron war ihre erste internationale Arbeit. Sie wurde in der Folge zur Hoffotografin dieses Schweizer Architekturbüros. Viele weitere folgten. Margherita Spiluttini gehört heute – und ihre mehrmaligen Einladungen zu Präsentationen bei den Architekturbiennalen in Venedig seit 1991 belegen dies – zu den Top Ten der internationalen Architekturfotografie.

Sie hat es geschafft, dass heute die Auftragsfotografie der Architektur in Österreich ihren eigenständigen künstlerischen Wert beanspruchen kann. Sie hat es geschafft, dass die Autorenfotografie der subjektiv objektiven Abbildung als eigenständige Kunst anerkannt ist. Dank und mit Margherita Spiluttini haben wir in den letzten fünfundzwanzig Jahren gelernt, dass es eine eigene fotografische Wirklichkeit der Architektur gibt. Timm Starl schrieb dazu: ,Das Ergebnis sind Bilder, in denen die Ansprüche und Leistungen der Architekten ihren Niederschlag finden, aber auch der Betrachter die zwar zarte, gleichwohl entschiedene Handschrift einer Fotokünstlerin erkennen kann. Dies macht die Kunst der Architekturfotografie aus, daß die Autoren der „Vorgaben“ und der Wiedergaben gleichermaßen erkenntlich sind.‘ Das erklärt die dokumentarisch subjektive Bildsprache von Margherita Spiluttini, und Christiane Zintzen setzt dem noch hinzu: ,Ohne Irritation, Reibung und Spannung – gleich ob ein fremder Betrachter sie dem Bild später ansehen mag oder nicht – ereignet sich und entsteht bei Margherita Spiluttini kein Bild.‘

Es gibt dazu auch noch ein legendäres Gespräch, das der Schweizer Architekt und Theoretiker Marcel Meili mit Margherita Spiluttini und dem Schweizer Architekturfotografen Heinrich Helfenstein für daidalos, das Magazin der Architekturtheorie, 1997 geführt hat. Der seine Bilder streng analytisch komponierende Schweizer Helfenstein äußert sich darin völlig irritiert von der Proklamation ihrer, wie Margherita selbst sagte, ,schlampigen‘ Fotografie. Dass sie vorgefundenes Wetter akzeptiert, dass sie zufällige Umgebungen einbezieht, dass sie ihre eigenen Erinnerungen, Gefühle, Empfindungen beim Fotografieren mitsprechen, sich von Situationen verführen lässt, Störungen und Unstimmigkeiten produktiv aufnimmt, etwas erzählt, eine Geschichte, die sich aus den Intentionen des Architekten, dem Ort, der immer zeitbedingt momentanen Situation und ihrer persönlichen, ja intimen Reaktion darauf ergibt.

Das nenne ich den subjektiven Faktor in der dokumentarischen Fotografie von Margherita Spiluttini. Sich dazu bewusst bekennen zu können, beweist ihre emanzipatorische Kraft. Die Künstlerin konnte sich, mühsam und schwierig, mithilfe der fotografischen Arbeit davon behaupten.

Mit diesem Buch, denke ich, ist die Zeit gekommen, dass Margherita Spiluttini beginnt, aus der hektischen Alltagsauftragsarbeit auszuscheren und ihr in den letzten fünfundzwanzig Jahren angewachsenes ,Archiv der Architektur‘ nach den Kriterien der künstlerischen Leistung zu selektieren. Ihre ,räumlichen‘ Themen sind hier erstmals dokumentiert. (Dietmar Steiner)

© Az W 

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